Kategorien
05/2021 Lautschrift

Bundeswehr an Schulen

Die Doppelmoral des Bildungswesens

In der Schule wird uns immer beigebracht, dass man Streitereien friedlich lösen soll. Auch Kriege werden im Geschichtsunterricht als etwas moralisch Verwerfliches und Rückständiges betrachtet. Demnach ist Militär und Kriegstreiberei eigentlich etwas, was gerade Jugendlichen nicht nahegebracht werden sollte. Dennoch wirbt die Bundeswehr massiv an Schulen und Berufsmessen. Hier präsentiert sie sich natürlich nicht als kriegstreibend oder gewaltvoll, sondern als normalen Arbeitgeber, bei dem man Aktion und Abenteuer erleben kann. Aber ist das wirklich so? Ist die Bundeswehr ein normaler Arbeitgeber?

Schauen wir uns die harten Fakten an.

Seit 1992 wurden 108 deutsche Soldaten getötet, alleine 55 davon in Afghanistan. Die Bundeswehr selbst tötete (nach offiziellen Angaben) rund 200 Menschen in Afghanistan. Die Zahl der traumatisierten Soldaten liegt dabei natürlich noch viel höher. 2018 wurden 1875 Fälle von Soldaten in psychischer Behandlung verzeichnet. Schätzungen zufolge steigen diese jedoch kontinuierlich um rund 100 Fälle pro Jahr an, da die Auslandseinsätze zahlreicher werden.

Jeder andere normale Beruf in Deutschland würde mit solchen Daten, allein auf Grund des Arbeitsschutzgesetzes, nie zugelassen werden. Kennen wir nun also diesen Hintergrund, müssen wir uns vor Augen führen, dass man schon vor dem Erreichen des 18. Lebensjahres von der Bundeswehr rekrutiert werden darf. So wurden 2017 2.128 17-Jährige rekrutiert. Diese Jugendlichen erhalten dieselbe militärische Ausbildung an der Waffe wie erwachsene Soldaten und werden dann oft schon bald nach Erreichen der Volljährigkeit in Auslandseinsätze geschickt.

Aber warum ist die Bundeswehr überhaupt im Auslandeinsatz?

Uns wird immer beigebracht, dass die Bundeswehr sowohl unsere „Werte“ wie Demokratie und Menschenrechte in anderen Ländern verteidigen als auch unsere Sicherheit im Ernstfall schützen muss. Unter diesem Gesichtspunkt kann es plausibel scheinen, dass auch die große Gefahr und Belastung, denen junge Menschen in der Bundeswehr ausgesetzt sind, „in Kauf genommen“ werden kann, wenn es um die Sicherheit unseres Landes und die Menschenrechte und den Schutz der Menschen in Einsatzländern geht. Zwar wirkt diese Argumentation schon an sich etwas merkwürdig, aber was noch viel wichtiger ist, sie täuscht über die wirklichen Tatsachen hinweg. Denn die 12 derzeitigen Auslandeinsätze sind in vielerlei Hinsicht mehr als umstritten. Nehmen wir beispielsweise den Einsatz in Afghanistan. Hier gab es seit 2001 ca. 160.000 afghanische Kriegstote, 2,5 Millionen Binnenvertriebene und 2,7 Millionen Geflüchtete. So kam im Jahr 2020 der größte Anteil an Geflüchteten in Deutschland aus Afghanistan. Zudem wurde bis jetzt nichts an der politischen Lage dort verbessert. Trotzdem begründete der ehemalige SPD-Politiker Struck diesen Einsatz mit der Aussage: „Die Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland wird heute auch am Hindukusch verteidigt.“  Auch in Syrien „unterstützt“ die Bundeswehr vielseitig. Die Zahl der Todesopfer beläuft sich hier auf ca. 500.000 und auch hier gibt es keine Aussicht auf Verbesserung. Somit lässt sich erkennen, dass die Begründungen der Politiker nur vorgeschoben sind und in Wirklichkeit vielmehr internationale Machtspiele, wirtschaftliche und geopolitische Interessen im Vordergrund stehen. Aus diesem Grund ist es um so makaberer, Jugendliche für diese auf Profitgier und Skrupellosigkeit beruhenden Auslandeinsetze anzuwerben.

Aber wie wirbt die Bundeswehr Jugendliche an? 

Die Bundeswehr bedient sich hierbei zwei verschiedener Möglichkeiten. Zum einen schickt sie so genannte Jungoffiziere an Schulen, die dort von ihren Tätigkeiten berichten und über die generellen Fakten aufklären. Diese dürfen allerdings nicht für die Bundeswehr werben und Jugendliche von einer Rekrutierung überzeugen. Deshalb gibt es außerdem die Karriereberater der Bundeswehr. Sie gehen zu Schulen und Berufsmessen und werben aktiv Jugendliche an. Zwar muss es den Jugendlichen freigestellt sein, ob sie an diesen Treffen teilnehmen, aber natürlich sind viele sehr neugierig. Diese Technik scheint auch zu funktionieren. So lautet die Antwort auf eine Anfrage der Linken: Die Beratung habe „zu einer guten Bedarfsdeckung der Bundeswehr“ beigetragen.

Aber ist es überhaupt legal Kinder für den Kriegseinsatz anzuwerben?

Die Antwort ist ganz klar „NEIN“! Die Werbung für Militäreinsätze widerspricht den Prinzipien der UN-Kinderrechtskonvention, die auch Deutschland unterschrieben hat. Die darin verbrieften Kinderrechte gelten für alle Menschen unter 18 Jahren. Somit lässt sich auch hier erkennen, dass Deutschland die internationalen Regeln, die aus den Erfahrungen der 2 Weltkriege entstanden sind, nur als eine Art Empfehlung wahrnimmt. Denn wenn es darum geht, deutsche Interessen und Macht durchzusetzen, kann man auch mal eine Kinderrechtskonvention hintergehen.

Zu allem Gesagten kommt das massive Rechtsextremismusproblem in der Bundeswehr und die Wahrscheinlichkeit, innerhalb ihrer Strukturen schon im jungen Alter rechte Propaganda und Gruppierungen kennenzulernen und von ihnen beeinflusst zu werden.

Deshalb fordern wir ein Verbot von Bundeswehr Werbung an Schulen und stattdessen mehr Aufklärung über das Kriegsgeschehen und die wirklichen Hintergründe für Auslandseinsätze. Außerdem fordern wir ein Verbot für die Rekrutierung von Minderjährigen, um sie vor diesen Interessen zu schützen.

Kategorien
05/2021 Lautschrift

TEXT ME WHEN YOU GET HOME XX

Der Schlüssel zwischen den Fingern, so tun, als würde man telefonieren, alle paar Sekunden umdrehen und schauen, ob wirklich niemand hinter einem läuft: Ganz normal, wenn man als Mädchen nachts alleine nach Hause geht.

Wir lernen schon früh, dass es gefährlich ist, durch verlassene Gegenden oder Parks zu laufen. Zuletzt wurde der Fall um die Britin Sarah Everard bekannt, die auf dem Heimweg mutmaßlich von einem Polizisten ermordet wurde.

Frauen, aber auch queere Personen sind immer wieder Gewalt und Gefahr ausgesetzt, vor allem von Männern. Aber woher kommt diese Gefahr?

Belästigung – Jeden.Tag.

Unabhängig vom Alter, äußerer Erscheinung und Kleidung, erleben wir täglich, dass uns auf dem Weg zum Bus hinterhergepfiffen wird, jemand uns etwas Anzügliches hinterherruft oder aufdringlich anstarrt. Manchmal laufen Männer uns gezielt hinterher oder in einer vollen U-Bahn fasst einem jemand einfach so an den Hintern. Das ist nicht nur abends der Fall, sondern auch tagsüber.

Erst kürzlich fand eine Studie aus Großbritannien heraus, dass 97 Prozent der britischen Frauen zwischen 18 und 24 Jahren in ihrem Leben schon einmal sexuell belästigt wurden. Wenn wir mit Freundinnen oder Bekannten sprechen, dann wird diese Zahl real, denn den meisten sind schon grenzüberschreitende Dinge passiert.

Oft, wenn wir versuchen uns Gehör zu verschaffen, um darüber zu sprechen, wie unangenehm diese Situationen sind, wird das abgetan. Wir sollten die Sprüche als Kompliment nehmen oder uns halt mehr anziehen. Solche Aussagen sind gefährlich und verharmlosend und stellen die betroffenen Mädchen und Frauen in die verantwortliche Position. Dabei ist es nicht unsere Schuld, wenn uns jemand belästigt! Und trotzdem droht den Tätern keine Gefahr, da die meisten Übergriffe keine Konsequenzen mit sich ziehen, und dem etwas zu entgegnen, oft keine Option ist. Denn der öffentliche Raum ist ein vor allem männlich dominierter.

Das zeigt sich zum Beispiel, weil wir besonders häufig Hinterherrufen und blöde Sprüche erleben, wenn wir an Männergruppen vorbeigehen. Dabei geht es meist gar nicht darum, eine Antwort zu bekommen oder gar die Mädchen kennenzulernen. Es sind Sachen, die Männer oft unter sich machen, es wird selten etwas dagegen sagt. Es scheint, als müsste die Macht vor anderen demonstriert werden, jeder möchte der Größte, der Stärkste sein und die Männlichkeit darf nicht in Frage gestellt werden. Dabei pushen sich Typen häufig gegenseitig und schützen sich auch. Solche Dynamiken entstehen auf Grundlage einer falschen Idee des „Mannes“ und diese Denkmuster und Ideen gilt es zu durchbrechen.

Wenn Frauen auf der Straße nicht sicher sind, dann sind sie es auch nirgendwo anders.

Wenn wir darüber sprechen, dass wir Angst haben, nachts alleine nach Hause zu gehen, dann müssen wir auch darüber sprechen, dass diese Angst innerhalb der bestehenden gesellschaftlichen Verhältnisse entsteht. Durch die täglichen Erfahrungen mit Belästigung scheint die Situation abends auf dem Heimweg noch bedrohlicher. Gerade, wenn kaum jemand unterwegs ist, oder man durch einen Park laufen muss, ist die Angst sehr groß und wie viele Beispiele und Erfahrungen zeigen auch begründet. Trotzdem deuten soziologische Studien darauf hin, dass Angst- und tatsächliche Gefahrenräume sich unterscheiden. Wir haben Angst, nachts alleine durch einen Tunnel zu laufen, statistisch gesehen ist jedoch das Zuhause einer Frau aufgrund häuslicher Gewalt viel gefährlicher. Wir sehen also, dass die Gefahr für Frauen nicht allein im öffentlichen Raum, sondern überall in unserer Gesellschaft eine Gefahr darstellt und somit ein tieferliegendes Problem ist, dass sich nicht auf die Dunkelheit auf dem Nachhauseweg beschränkt. Allerdings wird im öffentlichen Raum das vorherrschende Frauenbild offensichtlicher. Und wenn die Hälfte der Bevölkerung sich abends nicht sicher fühlt und es auch tagsüber nicht ist, dann müssen wir Lösungen dafür finden und uns fragen, wie dieses Verhältnis entsteht.

Die Frau als bloßes Objekt

Von früh an wachsen wir mit Vorstellungen darüber auf, wie Jungen und Mädchen sich verhalten sollen. Jungen sollten stark sein, nicht weinen, mutig, nicht schüchtern und Mädchen am besten das genaue Gegenteil davon: Einfühlsam, zurückhaltend, und nicht aufdringlich, hübsch und schlank am besten auch noch. Wir lernen, wie die Geschlechter zu sein haben. Diese Vorstellungen verändern sich im Erwachsenenalter kaum und wir passen uns ihnen an. Als Frau haben wir öfter das Gefühl, aufräumen zu müssen oder uns wird gesagt, wir sollen öfter lächeln und freundlich sein. Wir erlernen häufiger soziale Berufe und arbeiten öfter Teilzeit, damit wir genügend Zeit für die Erziehung der Kinder haben, während den „mutigen“ Männern mehr zu getraut wird, dazu arbeiten sie meist besser bezahlt und setzten ihren Willen öfter durch. Diese Vorstellungen los zu werden ist schwer, denn sie haben auch eine Funktion: Geschlechterrollen halten ein System aufrecht, in dem Frauen nach wie vor benachteiligt werden und viel zu häufig noch auf ihre Rolle als Mutterfigur und die Arbeit im Haushalt reduziert werden.

Das Problem mit diesen Zuschreibungen ist, dass wir ihnen intuitiv folgen und sie auch um uns herum andauernd präsent sind, zum Beispiel in der Werbung, in der bestimmte Schönheitsideale propagiert werden oder mit sexistischen Sprüchen auf ein Enthaarungsprodukt aufmerksam gemacht wird. Auch ist es nicht unüblich, dass sich im Film und Fernsehen zwei Männer um eine Frau streiten, und dabei sogar prügeln. Was als romantische Tat dargestellt wird, ist eigentlich eine Verharmlosung von Gewalt und noch dazu scheint es, als würde die Frau keine Stimme haben. Wenn Gewalt als Zeichen der Männlichkeit gezeigt wird, hat das verheerende Folgen.

Nach wie vor sollen Frauen auch im 21. Jahrhundert noch „erobert“ werden, diese Vorstellung wird romantisiert und als erstrebenswert dargestellt. Jedoch sind wir in dieser Darstellung bloße Objekte, die nicht auch eine Meinung oder Wünsche hätten und man sich einfach nach Belieben nehmen könnte. Uns bekannte Sprüche wie „Hol sie dir“ und die Mentalität darum sind schlichtweg entmenschlichend und objektifizierend und eben nicht schmeichelhaft oder romantisch.

Auf dass die Straßen auch unsere werden.

Wenn wir unsere Mütter, Großmütter und Tanten fragen, haben sie wahrscheinlich alle schon sexuelle Belästigung und Übergriffigkeit erlebt und sich auf der Straße unwohl gefühlt. Es ist also keine Frage der Generation oder Herkunft, sondern ein Problem, das im System verankert scheint. Auf der politischen Tagesordnung ist das Thema allerdings nicht, im Gegenteil, obwohl es seit Jahrzenten und wahrscheinlich noch länger existiert. Wichtige Ansatzpunkte sind genügend Anlaufstellen für betroffene Mädchen und Frauen, das Heimwegtelefon (siehe Kasten) ist da schon ein guter Anfang. Generell hilft es, zu telefonieren, einer Vertrauensperson zu sagen, wo man sich aufhält oder auch Pfefferspray dabei zu haben, um sich sicherer zu fühlen. Langfristig ist es jedoch wichtig, dass wir die Ideen, auf denen die Rollenverteilung der Geschlechter basieren, abschaffen. Frauen werden erst sicher in jedem Raum in unserer Gesellschaft sein, wenn die Machtverhältnisse sowie die grundlegenden Bilder von Männern und Frauen sich verändern.

Deshalb brauchen wir dringend politisches Handeln und strukturelle Veränderungen! Damit unsere Töchter, Nichten und Enkelinnen sich sicher auf den Straßen ihrer Stadt fühlen können!

Heimwegtelefon

Du fühlst dich auf dem Weg nach Hause nicht sicher und deine Freund:innen oder Familienmitglieder schlafen schon? Ruf beim Heimwegtelefon an und führe ein nettes Gespräch bis du sicher zu Hause angekommen bist!

Tel.: 030/12074182 (deutschlandweit)
Sonntag – Donnerstag: 18-00 Uhr, Freitag & Samstag 18-03 Uhr

Kategorien
03/2021 Lautschrift

DAS TRANSSEXUELLENGESETZ MUSS WEG

Es gibt Gesetze, die uns alle betreffen, und es gibt Gesetze, mit denen sich nur bestimmte Menschen beschäftigen müssen. Eines dieser Gesetze, das nicht alle betrifft, ist das Transsexuellen Gesetz (TSG), welches im September 1980 beschlossen wurde.

Das TSG erlaubt es Personen, ihren Vornamen oder ihren Personenstand (das heißt die Geschlechtsangabe in amtlichen Urkunden wie beispielsweise dem Personalausweis) von männlich zu weiblich, weiblich zu männlich oder auch zu divers zu ändern. Damit diesen Änderungen stattgegeben wird, muss die antragstellende Person nachweisen, dass sie sich aufgrund einer „transsexuellen Prägung“ nicht mit ihrem biologischen bzw. auf der Geburtsurkunde angegebenen Geschlecht identifiziert, dass darüber hinaus dies seit mehr als drei Jahren der Fall ist und sich voraussichtlich nicht ändern wird. Um diesen Nachweis erbringen zu können, müssen die betroffene Person sich zwei Gutachten von voneinander unabhängigen Sachverständigen einholen.

Das Gesetz schreibt weiterhin vor, dass Antragsteller:innen fortpflanzungsunfähig sein und bereits geschlechtsangleichende Operationen vorgenommen haben müssen, damit die Änderung bewilligt werden kann – diese Forderungen wurden allerdings 2011 (also erst drei Jahrzehnte nach Beschluss des TSG) vom Bundesverfassungsgericht für verfassungswidrig erklärt und müssen nicht mehr erfüllt werden, obgleich sie weiterhin im Gesetzestext stehen.

Laut dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend dauert das Verfahren zwischen fünf und zwanzig Monaten, durchschnittlich neun Monate, und kostet 1.868 Euro. Bei geringem Einkommen und Vermögen kann Verfahrenskostenhilfe beantragt werden. Über die hohen Kosten hinaus wird das Verfahren oft als entmündigend, als Eingriff in die Privatsphäre und sehr belastend empfunden.

Warum das TSG inakzeptabel ist

Seit das Gesetz im Jahr 1980 beschlossen wurde, hat das Bundesverfassungsgericht mehrere Teile als verfassungswidrig erklärt und außer Kraft gesetzt, wie zum Beispiel die bereits erwähnte Forderung der Fortpflanzungsunfähigkeit. Doch das Gesetz besteht weiter und die weiterhin gültigen Regelungen werden seit vielen Jahren aus medizinischer und menschenrechtlicher Sicht sowohl national als auch international kritisiert. Es stellt alles andere als eine menschen- und grundrechtskonforme Gesetzesgrundlage dar. Das Bundesfamilienministerium hat sich 2017 für eine Abschaffung des TSG ausgesprochen. Sie fordern eine Aufhebung der Begutachtungspflicht für einen Vornamen- oder Personenstandswechsel.

Denn dieser Pflicht liegt ein veraltetes und medizinwissenschaftlich nicht mehr haltbares Verständnis von Transgeschlechtlichkeit als psychische Erkrankung zugrunde. In den Achtzigerjahren sollte mit der Begutachtung der Förderung von gleichgeschlechtlicher Beziehung vorgebeugt werden, da diese damals noch als sittenwidrig galten. Dies ist angesichts der vollen rechtlichen Gleichstellung von gleichgeschlechtlicher Liebe menschenrechtswidrig.

Die Forderungen des Bundesfamilienministeriums sind richtig und wichtig, denn ein Gesetz, welches auf solch menschenrechtsverletzenden Grundsteinen erbaut wurde, sollte nicht existieren. Außerdem stellt sich die Frage, warum es für eine Änderung des Nachnamens ausreichend ist, einen einfachen Antrag bei der Namensänderungsbehörde zu stellen, während für die Änderung des Vornamens von einem weiblichen zu einem männlichen oder umgekehrt ein monatelanges Verfahren inklusive Forderung psychologischer Gutachten gefordert wird. Wo sieht der Staat den Unterschied, ob Max Mustermann jetzt Müller mit Nachnamen heißt oder Maria mit Vornamen?

Ein weiteres Problem ist der Personenstand. Es ist inzwischen unter bestimmten Voraussetzungen möglich, den Personenstand zu „divers“ ändern zu lassen, doch auch das wird bei nicht-binären Personen über das TSG verhandelt, was zu weiteren Problemen führt, denn viele Gutachter:innen glauben nicht an nicht-binäre Geschlechter. Außerdem ist eine Person, die ein „d“ in ihrem Ausweis stehen hat, gebrandmarkt. Jede:r, die:der sich den Ausweis einer solchen Person anschaut, weiß sofort: Diese Person ist queer. Und das kann gefährlich sein.

Ideal wäre es also, den Personenstand komplett zu streichen, doch auch das ist kompliziert und nicht immer möglich.

Trans*personen, die ihren Vornamen oder Personenstand ändern lassen wollen, sollten dafür einen einfachen Antrag stellen können, ohne dass ihre Privatsphäre unter die Lupe genommen und nach außen gestülpt wird. Wir brauchen, wie vom Bundesfamilienministerium gefordert, eine Abschaffung des TSG und eine einfache Alternative zur Namensänderung sowie eine einheitliche Streichung des Personenstandes.

INFOBOX – BEGRIFFSERKLÄRUNGEN

Transsexuell: Siehe Trans*/Transgender. Überholter Begriff, der bei weniger informierten Personen oft für Verwirrung sorgt. Hat nichts mit der sexuellen Orientierung zu tun.

Trans*/Transgender: Personen, dessen Gender von ihrem biologischen Geschlecht abweicht.

Gender: Geschlechtsidentität einer Person (unabhängig vom bei der Geburt eingetragenen Geschlecht)

Kategorien
03/2021 Lautschrift

Warum die 30-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich eine feministische Forderung ist

Die Forderung nach einer 30-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich scheint wie eine Utopie, dabei ist diese keinesfalls neu. Der Arbeitskampf um Verkürzung der Arbeitszeit hat Geschichte, die Forderung knüpft direkt die Erfolge des Tarifstreit um die 35-Stunden-Woche in den 80er Jahren an. Die IG Metall organisierte damals mit der damaligen IG Druck und Papier (heute Teil der Ver.di) eine starke Kampagne und mehrwöchige Streiks. Es gelang den Beschäftigten, eine stufenartige Reduktion der Arbeitszeit auf 38,5 Stunden pro Woche zu erkämpfen – ein Kompromiss, der jedoch als Erfolg wahrgenommen wurde. Es gelang erstmals, eine Arbeitszeit von unter 40 Stunden pro Woche bei vollem Lohn- und Personalausgleich zu erzielen. Seitdem wurde an diese Forderung immer wieder angeknüpft. Als Ergebnis kam es meist zu weniger Ausfällen wegen Krankheit, weniger Überstunden und einer höheren Zufriedenheit der Menschen.      
Während in der Politik der Sinn einer solchen Regelung meist unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten, wie höherer Produktivität oder positiven Auswirkungen auf die Tourismusbranche diskutiert wird, ist sie vor allem auch eine feministische Forderung.

2019 haben in Deutschland laut Statista mehr als doppelt so viele Frauen wie Männer Hausarbeit verrichtet. In unserer patriarchalen Gesellschaft ist es also immer noch verankert, dass Frauen für Familie und Haushalt zuständig sind, während Männer das Geld heranschaffen sollen. Dadurch sind Karriere und Familie für Frauen schwieriger und nicht selbstverständlich zu vereinbaren, was man auch immer wieder an Schlagzeilen wie „Karriere machen als Mutter – funktioniert das?“ (businessfrau.ch) oder „Vollzeit-Mama oder Karriere: was gehört zu meiner Identität?“ (grandios.online) erkennt.

Dieses Problem wird auch in der Verteilung der Arbeitszeiten sichtbar. Laut Statista arbeiteten 2018 zwei Drittel der erwerbstätigen Frauen mit minderjährigen Kindern in Teilzeit, während es weniger als 6% der erwerbstätigen Männer waren. Mit jedem Kind steigt die Zahl der in Teilzeit arbeitenden Frauen. Damit liegt Deutschland weit über dem EU-Durchschnitt (t-online). Einen Grund dafür stellt der durch gesellschaftliche Konventionen entstehende Stress dar. Da die Aufgaben von Frauen neben dem Job vor allem Carearbeit und der Haushalt sind, entsteht hier durch doppelte Belastung Stress. Ein Beispiel dafür ist die Kindererziehung, die Frauen im Schnitt doppelt so sehr stresst wie Männer (Statista 2009).

Dass Frauen immer noch so viel mehr Zeit für die Familie aufwenden und finanziell abhängig von Männern sind, bringt auch andere Probleme mit sich. Somit folgt daraus zum Beispiel eine geringere Teilhabe am öffentlichen Leben und kann auch zu einem eingeschränkten oder sogar kontrollierten Sozialleben führen. Außerdem sind Frauen durch diese Abhängigkeit häufiger gezwungen in gewalttätigen Beziehungen zu verweilen.

Eine 30-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich könnte hier den Ansatz einer Lösung darstellen. Die Arbeitszeit in der Familie würde sich so auf insgesamt 60 Stunden die Woche reduzieren, was der gleichen Arbeitszeit entspricht, wenn eine Person voll und die andere halbtags arbeitet. Dadurch könnten Tätigkeiten im Haushalt besser abgefangen und aufgeteilt werden, was Frauen entlasten würde. Wenn alle somit quasi in Teilzeit bei vollem Gehalt arbeiten würden und Frauen nicht durch weniger Stunden noch mehr Gehalt als ohnehin schon einbüßen, wären sie außerdem finanziell unabhängiger, was einen großen Fortschritt für die gesamte Gesellschaft darstellen würde und auch anderen Problemen in Ansätzen vorbeugen könnte. So könnten Frauen besser gewalttätigen Beziehungen entfliehen. Generell würde es weniger Stress mit sich bringen, wenn ein dreitägiges Wochenende möglich wäre und Eltern nicht den ganzen Tag, sondern nur sechs Stunden auf Arbeit wären. So könnte auch eine größere Teilhabe am öffentlichen Leben für Frauen erreicht werden. Es würde sich weniger die Frage stellen, ob und wie Familie und Karriere miteinander vereinbar wären, und sowohl im Arbeitsleben als auch gesamtgesellschaftlich zur Gleichstellung beitragen.

Kategorien
03/2021 Lautschrift

Hauptsache Mutter!? Worum es bei der Frage nach legalem Schwangerschaftsabbruch wirklich geht

Das kürzlich beschlossene Verbot von Schwangerschaftsabbrüchen in Polen hat eine große Welle von Protesten ausgelöst, in Argentinien wurden Abbrüche erst nach jahrelangen feministischen Kämpfen legalisiert und in Deutschland ist die Ärztin Kristina Hänel nach Paragraf 219a verurteilt worden, weil sie auf ihrer Website angab, Abbrüche durchzuführen. Heute und seit Jahrzehnten kämpfen Frauen international für die Legalisierung von Abtreibungen. Doch warum ist dieser Kampf so langwierig?

Kategorien
03/2021 Lautschrift

Das Geschäft mit der “Schönheit”

Wir haben in verschiedenen Ausgaben unserer Zeitschrift dargestellt, warum Unternehmen einem ständigen Zwang unterliegen, immer mehr Produkte zu verkaufen und ihre Profite zu maximieren. Dass Werbung dabei eine wichtige Rolle spielt, ist selbstverständlich. Dabei ist die Schaffung künstlicher Bedürfnisse durch Werbung ein effektives Mittel von Unternehmen, um neue Märkte zu schaffen und noch mehr Produkte zu verkaufen. Auch bei Produkten, die explizit für Frauen hergestellt werden, verhält es sich nicht anders: Werbung für Kleidung oder Kosmetik nehmen viel Platz im öffentlichen Raum und in den sozialen Medien ein. Dabei geht es aber um viel mehr: Hier ist die Schaffung neuer Bedürfnisse eng damit verbunden, Frauen zu vermitteln, dass sie diese Produkte brauchen, um einem bestimmten ästhetischen Ideal zu entsprechen, das in der Realität aber nicht erreichbar ist. Das heißt dann aber auch: Der Körper der Frau, wie er ist, sei eben falsch. Die Folge: Unsicherheit, psychische Belastung und das Bild einer Frau, die nichts anderes tun soll, als gut auszusehen, um Männern zu gefallen.

Kategorien
03/2021 Lautschrift

Dürfen Männer Feministen sein?

In den letzten Jahren hat die Frauenbewegung weltweit an Aufmerksamkeit und Bedeutung gewonnen. Große Meilensteine waren unter anderem der 08. März in Spanien im Jahr 2018, als 5,3 Millionen Menschen demonstrierten, die weltweiten Proteste vergangenes Jahr gegen die Abtreibungspolitik in Polen und die lateinamerikanischen „Ni Una Menos“ Proteste gegen Femizide. Die Frauenbewegung wird also weltweit immer stärker.

Während die Frauenbewegung weltweit an Stärke gewinnt, macht sich hierzulande ein politischer Einfluss breit, der Spaltung und Illusionen schürt. Immer mehr werden Forderungen in den Vordergrund gerückt, die aussagen, dass die Perspektive von Frauen im feministischen Kampf die einzig richtige sein sollte und weibliche Repräsentation in hohen Positionen gefördert werden sollte.

Ob bewusst oder unbewusst – durch diese Diskussion in diese Richtung wird der Frauenbewegung bzw. der Bewegung um die Befreiung der Frau ihre Stärke genommen und strukturelle Problematiken und Forderungen, die den gesamtgesellschaftlichen Kampf berücksichtigen, rücken immer mehr in den Hintergrund. Die Stärkung der Position der Frau, bzw. die Ermöglichung der Repräsentation ist wichtig, darf aber einen gesamtgesellschaftlichen Kampf, in dem alle Menschen, gleichberechtigt, für eine bessere Zukunft einstehen, nicht ersetzen.

Kategorien
03/2021 Lautschrift

EIN ALTER WEISSER MANN UND DIE FRAUENBEWEGUNG

Artikel von Hanna Lubcke aus der „Jungen Stimme“ (Ausgabe 85, März/April 2020)

Der Kampf gegen die Unterdrückung der Frau ist noch lange nicht gewonnen. Obwohl es in Deutschland seit über 100 Jahren eine mehr oder weniger starke Frauenbewegung gibt verdienen wir in Deutschland durchschnittlich immer noch 22% weniger als Männer, jede vierte Frau arbeitet im Niedriglohnsektor, außerdem arbeiten Frauen im Haushalt jede Woche durchschnittlich 9 Stunden länger als Männer. Auch die Gewalt gegen Frauen ist immer noch verheerend, allein 2018 wurden in Deutschland 118 Frauen von ihren (ehemaligen) Partnern ermordet. Währenddessen findet der größte Teil vom feministischen Diskurs an der Hochschule statt und verliert teilweise den Bezug zur Bevölkerung komplett. So führt der Versuch, eine geschlechtsneutrale Sprache zu etablieren dazu, dass Menschen, die diese nicht auf Anhieb beherrschen teilweise aus dem Diskurs ausgeschlossen und für unpolitisch erklärt werden. Identitätspolitik führt dazu, dass sich nur noch Menschen zu Diskriminierung äußern können, die davon betroffen sind. Diesen Menschen die Erfahrung und damit mehr Deutungshoheit zuzusprechen ist natürlich richtig, in der Konsequenz verhindert es aber heutzutage häufig den offenen Austausch über Vorurteile – aus Angst, etwas falsches zu sagen sagt man lieber gar nichts mehr. Diese Debatte über Sprache und Identität, die weder anschlussfähig noch ausreichend ist, um Antworten auf die Probleme von Frauen heutzutage zu finden, dominiert die feministische Szene. Dabei gibt es Theorien zur Frauenbefreiung, die Anfang des letzten Jahrhunderts eine breite, fortschrittliche Frauenbewegung unterstützt haben – und Friedrich Engels, dessen Geburtstag sich 2020 zum 200. Mal jährt, spielte hierbei eine große Rolle.

Kategorien
03/2021

Stonewall 1969: Ein vergessener Aufstand?

Artikel von Joshua Sommer

Es ist kurz nach Mitternacht im Sommer. Sieben Polizisten stürmen, wie üblich, das „Stonewall Inn“ in New York. Jahrhunderte der internationalen Unterdrückung und Ermordung von überwiegend trans, schwulen und lesbischen Menschen (zusammengefasst auch: LGBTQI*-Community)* in der Gesellschaft liegen zurück. Doch dann der Wendepunkt: Die 200 Gäste verhalten sich nicht wie üblich. Sie wehren sich. Es fliegen Steine, weil eine Frau aus der Bar in das Polizeiauto gezerrt wird. Sie fängt an, sich zu wehren, und ermutigt die Menschen vor der Bar, sich aufzulehnen. Der Protest wird laut. Gegen die Schikane der Polizisten. Gegen die staatliche Ordnung. Gegen die Gesetze, die verbieten, dass Sexualität und wahre Geschlechtsidentität ausgelebt werden darf.** Diese unerträgliche Wut der unterdrückten Massen musste befreit werden. Aus einigen wurden viele. Worte wie „I’m proud and gay“ oder „Gay Liberation“ ertönten. Mit »gay« (übersetzt: „schwul“) war zu der Zeit jedoch gesamte queere Community gemeint.

DIE STRAßE GEHÖRT UNS

Befreiung muss her. Nach etlichen Steinen kommen die Molotowcocktails. Der Aufstand beginnt. Die Polizisten verschanzen sich im „Stonewall Inn“ vor lauter Angst. Die Menschen sammeln sich in der Christopher-Street. Linke Bewegungen zu der Zeit schließen sich an, so zum Beispiel Aktivist:innen der „Black Panther Party“ oder der „Young Lords“. Dieser Moment des Aufstandes war die Geburtsstunde für die Radikalisierung der „queeren“*** Bewegung. Nach tagelangen Protesten beruhigte sich zwar die Lage vor Ort, aber schon nächstes Jahr gelang es der Bewegung, bis zu 10.000 Menschen auf die Straße zu bringen. Der erste „Christopher-Street-Day“ fand 1970 in New York als Marsch statt. Eine Bewegung fing an zu blühen und damit begann der jahrzehntelange Kampf.

GAY-LIBERATION-FRONT

Aus dem Stonewall-Aufstand heraus entstand die „Gay-Liberation-Front“, was eine Anspielung auf den damaligen Vietnam-Krieg war. Die US-Truppen wurden nämlich „National-Liberation-Front“ genannt. Der Krieg dauerte von 1955 bis 1976 an. 1964 mischten sich die USA militärisch ein, denn sie wollten „den vermuteten Vormarsch des Kommunismus“ stoppen. Die „Gay-Liberation-Front“ solidarisierte sich mit linken Kämpfen zu der Zeit. Sie identifizierten sich als Unterdrückte und solidarisierten sich mit allen anderen Unterdrückten. Ob mit Arbeiter:innenbewegungen, der schwarzen Befreiungsbewegung, der „dritten Welt“ oder eben der Problematik des Vietnam-Kriegs: „Gay-Liberation-Front“ bedeutete Klassenkampf, was wiederum heißt, dass alle Unterdrückten untereinander sich als Klasse gegen die Unterdrücker des bestehenden Systems auflehnen und gegen dieses System der Unterdrückung kämpfen. Sie wollten Rache an der Quelle der Unterdrückung, und somit gegen die „abscheuliche kapitalistische Ordnung“ (Quelle: The Rat, Zeitung der „GLF“).

Leider spaltete die GLF sich nach wenigen Jahren auf und somit auch eine komplette Bewegung. Es wurden trans-Personen von schwulen/lesbischen Gruppen wie der „Gay-Activists-Alliance“ ausgeschlossen. Daraufhin gründeten Marsha P. Johnson und Sylvia Riviera, die heutigen Ikonen der Bewegung und des Stonewall-Aufstandes, die „Street Transvestite Action Revolutionaries“ (STAR). Der Konflikt fand seinen Höhepunkt auf einer Kundgebung, wo trans-Aktivst:innen die Bühne stürmten, weil sie auf der Demo ganz hinten laufen mussten. Antikommunistische Hetze, der neoliberale Aufstieg, sowie auch die Uneinigkeit innerhalb der linken Bewegung führten schon ab den 1970er-Jahren zur Verhinderung von großen Massenbewegungen.

INDIVIDUALISMUS ÜBER ALLES?

51 Jahre ist der Aufstand nun her. Nur ist nicht mehr viel übrig von dem einst „revolutionärem“ Charakter der Bewegung. Auf dem heutigen „Christopher-Street-Day“ werben politische Parteien für sich, Konzerne machen ihr Geld und es wird fleißig Alkohol getrunken. Beim Zelebrieren des sogenannten „Pride-Month“ sieht es nichts anders aus: Es wird erinnert an das, was geschaffen wurde, es wird gefeiert, so als gäbe es keinen Grund mehr, für wahre Freiheit zu kämpfen.

FREIHEIT FÜR ALLE UNTERDRÜCKTEN

Sicher lebt eine queere Person heute unter anderen Gesetzen in den Industriestaaten der Welt. Der queeren Bewegung von damals haben wir sicher vieles zu verdanken. Doch wo ist die heutige „Gay-Liberation-Front“ geblieben, die sich mit allen Unterdrückten der Welt, und deren eigener Unterdrückung, auseinandersetzt? Es nützt uns nichts, wenn mit „queer“ Geld gemacht wird. Wenn sich Konzerne zwar für Profit interessieren, aber nicht für die tagtägliche Diskriminierung. Die Wirtschaftsordnung, in der wir leben, kann nichts anderes tun, als Diskriminierungen zu manifestieren. Wenn wir als queere Personen diskriminiert werden, stehen wir nicht alleine da. Wir sind ein Teil im System, welches die weltweite, systematische Unterdrückung fortführen lassen will. Unterdrückung darf kein Ist-Zustand bleiben und deshalb müssen alle queeren Menschen wieder anfangen sich umzuschauen. Alleine oder als queere Community wird das nie gelingen.

* LGBTQI ist eine Abkürzung für Lesbian, Gay, Bi, Trans, Queer und Intersex. Auf Deutsch steht das also für lesbisch, schwul, bisexuell, trans, queer und intersexuell. 

** Bestrafung von Homosexuellen und trans-Personen per Gesetz: Der §175 ermöglichte eine strukturelle und systematische Verfolgung von Homosexuellen bis 1994. Das sogenannte Transsexuellengesetz diskriminiert bis heute Trans-Personen durch staatlich-fundiertes „Recht“.

*** QUEER: der Begriff »queer«, ursprünglich als Schimpfwort gebraucht, bezeichnet heute sowohl die gesamte LGBT*+-Bewegung als auch einzelne ihr angehörende Personen)

„Wir waren krank und müde von der tagtäglichen Unterdrückung (…) Die Zeit ist gekommen, und ich werde keine Minute davon verpassen, das ist die Revolution.“, Sylvia Riviera, trans-Frau und Stonewall-Ak

Kategorien
01/2021 Lautschrift

Corona geht auf unsere kosten

Seit März diesen Jahres sieht die Welt sich mit der Corona-Pandemie konfrontiert. Bereits im April gab es die Prognose einer internationalen Wirtschaftskrise, eine, die sich auch schon vor dem Ausbruch der Covid-19 Virus angebahnt hat (siehe: „Hat Corona die Wirtschaft infiziert?“ Corona-Sonderausgabe). Über den Sommer und Herbst konnten wir eine Welle von Massenentlassungen beobachten. Gleichzeitig sehen wir, wie Eigentümer:innen großer Unternehmen und Aktionär:innen hohe Gewinne verbuchen. Besonders in den letzten Monaten sehen wir uns zunehmend mit einschränkenden Maßnahmen und einer gespaltenen Gesellschaft konfrontiert. In den Entscheidungsprozessen über diese Maßnahmen ist die parlamentarische Demokratie von der Regierung außer Kraft gesetzt. Außerdem lastet die gesamte Pandemie auf unserem Gesundheitssystem, welches durch den Zwang zum Profit kaputt gespart wurden.