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5/2020 Lautschrift

8. Mai – Gedenken an das Kriegsende in Deutschland

„Der 8. Mai muss ein Feiertag werden! (…)Das ist überfällig seit sieben Jahrzehnten. Und hilft vielleicht, endlich zu begreifen, dass der 8. Mai 1945 der Tag der Befreiung war, der Niederschlagung des NS-Regimes.“, schreibt die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN-BdA) in ihrem Aufruf zu einer aktuellen Petition den 8.Mai als bundesweiten gesetzlichen Feiertag einzuführen. Den 8.Mai, als Tag der Befreiung zu sehen, war lange Zeit in Deutschland kein gesellschaftlicher Konsens. Vielmehr wurde er als Tag der Niederlage wahrgenommen. Besonders wichtig ist es diesem entscheidenden Datum auch heute im Jahr 2020 – 75 Jahre nach Kriegsende – im öffentlichen Gedenken viel Platz einzuräumen. Als einen Tag mit klarer antifaschistischer Botschaft. Einem Tag, um den zahllosen Opfern des Naziregimes zu gedenken. Einem Tag , um die Alliierten, Partisan*innen und Widerstandskämpfer*innen zu würdigen, die Deutschland von Faschismus und Krieg befreiten.

Was passierte am 8.Mai 1945?

Am 30.April hissen Soldaten der roten Armee die Sowjetfahne auf dem deutschen Reichstagsgebäude, am selben Tag begeht Hitler Selbstmord, das Ende des Krieges scheint nahe zu sein. Doch erst 8 Tage später wird die deutsche Wehrmacht an allen Fronten kapitulieren. Der Marineoffizier Karl Dönitz wird als Nachfolger Hitlers eingesetzt und ist somit in der Position des Reichspräsidenten und Oberbefehlshaber der Wehrmacht. Karl Dönitz versucht zunächst eine Teilkapitulation in Nordwestdeutschland, den Niederlanden und Dänemark zu erreichen. Auf Druck der westlichen Alliierten, die keine Teilkapitulation akzeptieren wollen, unterzeichnet aber schließlich am 7.Mai im Auftrag von Dönitz Generaloberst Jodl die bedingungslose Gesamtkapitulation der deutschen Wehrmacht im französischen Reims. Die Waffen sollen an allen Fronten ab 8.Mai um 23:01 mitteleuropäischer Zeit ruhen. Am Abend des 8.Mais wird die Gesamtkapitulation noch eimal von der Führung des deutschen Heers, der Luftwaffe und Marine im Sitz der Sowjetischen Militäradministration in Berlin-Karlshorst gegengezeichnet. Seither ist der 8.Mai als offizielles Ende des zweiten Weltkrieges in Europa – der Krieg im Pazifik dauerte noch bis September an – in die Geschichtsbücher eingegangen. Er wird in vielen europäischen Ländern als VE-Day (Victory-in-Europe-Day) gefeiert.

Wie ist der Umgang mit dem Datum des 8.Mais in der Bundesrepublik Deutschland..

Der Umgang mit dem 8.Mai nach 1945 unterschied sich in der Bundesrepublik Deutschland gegenüber dem in der DDR grundlegend. In der BRD spielte der 8.Mai zunächst einmal so gut wie keine Rolle. Die Einstellung, dass nach dem Fall des Naziregimes ein Neuanfang gemacht werde solle und man sich möglichst wenig an die vergangenen Kriegsjahre erinnern wollte, war weit verbreitet. Dass sich ein Großteil der Bevölkerung in Deutschland nach 1945 keineswegs von ihrem Glauben an Faschismus und Nationalismus verabschiedet hatte, ist hinreichend bekannt. Dementsprechend überrascht es nicht, dass viele den 8.Mai als Tag der Schande und der Niederlage Deutschlands empfanden, dem auf keinen Fall gedacht werden solle. Es gab zwar im Laufe der Nachkriegsjahre immer wieder Initiativen von Opferverbänden und aus kleinen Teilen der Bevölkerung, die am 8. Mai den Kriegsopfern gedachten. Die erste (!) offizielle Regierungserklärung der sozial-liberalen Koalition unter Willy Brandt erfolgte aber erst zum 25. Jahrestag im Mai 1970. Die verhärteten Fronten im kalten Krieg, erschwerten die Würdigung des 8.Mais in Westdeutschland als Tag der Befreiung zusätzlich, weil man jegliche Assoziationen mit der Deutschen Demokratischen Republik zu vermeiden suchte. In der DDR wurde der 8.Mai im offiziellen Sprachgebrauch als Tag der Befreiung bezeichnet und war arbeitsfrei. Wie stark der Konflikt zwischen West und Ost war, zeigt zum Beispiel folgendes Ereignis sehr anschaulich: Der sowjetische Botschafters „Smirnow“ lud am 8.Mai 1965, zu einer Feier zum 20. Jahrestag des Kriegsende in den Godesberger Stadthallen ein. Die Einladung wurde von keinem einzigen deutschen Politiker angenommen. Die wichtigste Wende im Umgang mit dem 8.Mai erfolgte wohl 1985 zum 40. Jahrestag der deutschen Kapitulation. Der zu der Zeit amtierende Bundespräsident Richard von Weizsäcker hielt eine Rede im Bundestag, die auch noch viele Jahre danach Einfluss auf die deutsche Erinnerungspolitik hatte. In seiner Rede gestand er klar die Schuld der Deutschen an den von ihnen begangenen Verbrechen ein und benennt sie als die Verursacher des zweiten Weltkriegs. In den vorangegangen Jahrzehnten war häufig der Krieg als unerwartetes Unheil, welches über die deutsche Bevölkerung wie eine höhere Macht hereingebrochen war, dargestellt worden. Im Weiteren nannte Weizsäcker als allererste Opfergruppe die 6 Millionen ermordeten Juden, aber er erwähnte auch die unzähligen Opfer der Sowjetunion, in Polen und die Verfolgten Sinti und Roma, Homosexuellen und psychisch Kranken – keine Selbstverständlichkeit, wenn man Reden von anderen Politiker dieser Zeit zu diesem Thema betrachtet. Auf der anderen Seite verwendete er an mehreren Stellen seiner Rede Formulierungen wie “Auf dem Weg ins Unheil wurde Hitler die treibende Kraft. Er erzeugte und er nutzte Massenwahn.”, welches der Argumentation vieler konservativer Politiker Vorschub leistete, Hitler als Einzelperson sei verantwortlich für die deutschen Verbrechen, die Bevölkerung habe den Nationalsozialismus nicht gewollt. Und zudem die breite Unterstützung für Hitler durch alle Bevölkerungsschichten hinweg negiert, die weder durch Gehirnwäsche noch durch Massenpropaganda erklärt werden kann.

..in der DDR..

In der DDR hingegen wurde dem 8.Mai wie bereits erwähnt ein ganz anderer Stellenwert zugeschrieben, überall auf dem Gebiet der DDR entstanden bereits kurz nach Kriegsende Ehrenmäler und Gedenkfriedhöfe zu Ehren der Opfer des Krieges. 1947 begann man mit dem Bau des großen Ehrenmals am Treptower Park, dessen zentraler Punkt die 30 Meter hohe Statue eines Rotarmisten darstellt. Der Soldat trägt ein deutsches Kind in den Armen, während zu seinen Füßen ein zersplittertes Hakenkreuz liegt. Am 8.Mai 1949 wurde es feierlich eröffnet. Jährlich wurde nun hier am 8. Mai die Befreiung mit großen Paraden und Veranstaltungen gefeiert und den vielen Opfern des Krieges gedacht. Zudem war der 8. Mai für die Bevölkerung bis 1967 arbeitsfrei. Der Fokus des 8. Mais lag neben der Würdigung der zahlreichen sowjetischen Opfer, auf dem Sieg über den Faschismus und auf der Stärkung der Verbundenheit der DDR-Bevölkerung mit dem Sowjetvolk.

..im wiedervereinigten Deutschland?

Im wiedervereinigten Deutschland hat man sich mehr oder weniger bemüht, den 8.Mai als festen Bestandteil der deutschen Gedenkpolitik zu etablieren, wirklich gelungen ist das jedoch nicht. Laut einer Umfrage des Magazins der Stern aus dem Jahre 2010 wussten zu diesem Zeitpunkt nur 55% der Deutschen überhaupt, was am 8.Mai geschehen ist. Im Bereich der unter 30-jährigen sogar nur 32%. Zusätzlich ist der 8.Mai auch nach 75 Jahren seit Kriegsende noch kein arbeitsfreier Feiertag. Trotz vieler Fortschritte seit der Wiedervereinigung, kommen auch heute immer wieder alte Argumentationsmuster der Schuldabweisung, fehlender Wille zur Entschädigung der Opfer und Geschichtsrevisionismus hinter dem Image der vermeintlich so vorbildlichen Aufarbeitungs- und Gedenkpolitik Deutschlands hervor. Ein besonders schwerwiegendes Beispiel für diesen Geschichtsrevisionismus zu Lasten Russlands ist eine EU-Resolution vom September vergangenen Jahres, die unter dem Titel „Bedeutung der Erinnerung an die europäische Vergangenheit für die Zukunft Europas“ nicht nur den schon so oft gezogenen Hitler-Stalin Vergleich zementiert, sondern auch auf Berufung des Hitler-Stalin-Pakts Nazideutschland und der Sowjetunion zu gleichen Anteilen die Schuld am Ausbruch des zweiten Weltkriegs zuschreibt. Ohne die 25 Millionen sowjetischen Opfer des deutschen Vernichtungskrieg im Osten auch nur an einer Stelle zu erwähnen. Die Resolution wurde mit 82% der Stimmen aller EU-Abgeordneter – darunter fast alle Stimmen der deutschen Abgeordneten aus CDU, SPD, FDP und den Grünen – angenommen. Einzig die Linke Fraktion im EU-Parlament stimmte dagegen. Vor allem ist es wichtig, dass Deutschland endlich die richtigen Schlüsse aus einem Datum wie dem 8.Mai zieht und sich klar des Antifaschismus bekennt. Nazis, die in unseren Parlamenten sitzen, die rassistischen Morde der letzten Monate und Jahre, und der wieder erstarkende Antisemitismus dürfen nicht einfach so hingenommen werden.

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NSU

Als sich, im Jahr 2011, Beate Zschäpe der Polizei stellte und der NSU sich „selbst enttarnte“, versprach Angela Merkel „lückenlose Aufklärung“. Wie oft diese Phrase in Zeitungen, im Fernsehen und bei Pressekonferenzen fiel, könnte man nicht mal schätzen. Ganz im Kontrast dazu, war die Aufklärung alles andere als lückenlos. Der NSU-Prozess ist eines der wichtigsten Gerichtsverfahren der deutschen Nachkriegsgeschichte und trotz fünf Jahren Prozessdauer, über 500 Zeugen die gehört wurden und einem Aktenumfang von weit über einer halben Millionen Seiten, ist auch nach beinahe zwei Jahren seit der Verurteilung Zschäpes noch vieles ungeklärt. Nicht etwa, weil noch fleißig ermittelt wird, sondern weil die Akten unter Verschluss bleiben – teilweise 30, 90 oder sogar 120 Jahre. Als Grund nennt der Staat immer wieder „Quellenschutz“.

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5/2020

Die Da Oben

Diejenigen, die auf den sogenannten „Hygiene-Demos“ in den letzten Monaten waren, haben wahrscheinlich schon mal von Bill Gates und seinem mörderischen Plan, die Weltbevölkerung zu impfen, gehört. In Gesprächen mit Demonstranten haben wir viele verschiedene Erzählungen gehört, die jedoch alle in dasselbe Bild eingespielt haben: „die da oben“ führen nichts Gutes im Schilde. Aber was ist eigentlich dran an den Geschichten, die wir immer als „Verschwörungstheorien“ bezeichnen? Warum überzeugen sie so viele Menschen? Und wie viel Einfluss hat Bill Gates wirklich?

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RECHTE STRUKTUREN IN DER BUNDESWEHR

Die Bundeswehr – eine Truppe aus verfassungsnahen, einsatzwilligen Helden, die unsere Demokratie gegen Extremismus von links sowie von rechts schützen! Dass es in dieser Institution keine linken Strukturen gibt, liegt wohl in der Natur der Sache, doch wie sieht es mit den rechten aus? Dieser Artikel zeigt auf, wie die Bundeswehr geschichtlich, aber auch heute noch von rechten Strukturen unterwandert ist und wie geschickt diese rechten Netzwerke tatsächlich gestrickt sind.