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8. März in Hamburg

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Clara Zetkin

„Die Frage der vollen Emanzipation der Frau erweist sich also in letzter und entscheidender Instanz als eine ökonomische Frage, die im innigsten Zusammenhang mit der Arbeiterfrage überhaupt steht und nur ihm Zusammenhang mit ihr endgültig gelöst werden kann.“

Clara Zetkin (1857-1933)

Clara Zetkin, geboren Eißner, wird am 5. Juli 1857 in Wiederau geboren. Ihre Eltern sind politisch interessiert, besonders ihre Mutter unterhält enge Kontakte zur bürgerlichen Frauenbewegung. Clara Zetkin lässt sich zur Volksschullehrerin ausbilden und lernt 1874 zum ersten Mal die Frauen- und Arbeiterbewegung kennen. Überzeugt tritt sie der Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands bei, die jedoch aufgrund der Sozialistengesetze nur sehr beschränkt arbeiten kann und schlimmer Repression unterworfen ist.

Sie flieht ins Exil nach Paris, wo sie den Internationalen Arbeiterkongress vorbereitet. Zu diesem Zeitpunkt noch Clara Eißner trifft den russischen Revolutionär Ossip Zetkin, mit dem sie zwei Söhne bekommt. Ohne jemals zu heiraten nimmt sie seinen Namen an. Die beiden bereiten sich gemeinsam auf den Kongress vor, Ossip stirbt jedoch kurz zuvor an Tuberkulose.

Der Internationale Arbeiterkongress ist ein voller Erfolg, es gründet sich die Sozialistische Internationale, woran Zetkin bedeutenden Anteil hat. Sie hält auch einen Vortrag zur Lage der Frauen, in dem sie Forderungen der bürgerlichen Frauenbewegung kritisiert. Ab 1892 gibt sie die Frauenzeitschrift „Die Gleichheit“ heraus und fokussiert sich auch in der Partei auf Frauenarbeit. Ab 1907 leitet sie das Frauensekreteriat in der SPD, lernt beim Internationalen Sozialistenkongress Lenin kennen, der ein enger Freund von ihr bleiben wird, und wird Internationale Sekretärin der neu gegründeten Sozialistischen Fraueninternationale. Auf deren zweiter Konferenz wird der 8. März als Frauenkampftag beschlossen.

Innerhalb der SPD gehört Zetkin wie auch Rosa Luxemburg zum linken Flügel. Kurz vor Beginn des Ersten Weltkrieges lehnt sie die Bewilligung der Kriegskredite durch ihre Partei streng ab, gehört damit aber zu einer Minderheit. Entgegen eines Beschlusses der Sozialistischen Internationale stimmt die SPD-Fraktion 1914 für die Kriegskredite, woraufhin sich die „Gruppe Internationale“ als Opposition in der Partei gründet. Zetkin wird 1916 Mitglied dieser Gruppe, die später zum Spartakusbund werden sollte. Sie organisiert außerdem die Internationale Konferenz sozialistischer Frauen gegen den Krieg 1915 und schreibt Texte und Flugblätter. Sie wird mehrfach inhaftiert. Nach der Novemberrevolution in Deutschland schließt sie sich der Neugründung der KPD an, die sie von 1920 bis 1933 im Reichstag vertrat. Ab 1925 war sie Vorsitzende der Roten Hilfe Deutschland, mit dem Aufstieg des Nationalsozialismus ist Zetkin eine der entschiedensten Gegnerinnen und Bekämpferinnen des Faschismus. 1933 muss sie in Exil in die Sowjetunion, wo sie 1933 stirbt und an der Kremlmauer beerdigt wird.

Clara Zetkin war die bedeutendste Vertreterin des proletarischen Feminismus und eine wichtige Kriegsgegnerin, Antifaschistin und Kommunistin in Deutschland. Als eine große Figur der internationalen Arbeiterbewegung, in welcher sie in den prägendsten Jahren Einfluss nahm und wirkte, begründete sie den 8. März als Frauenkampftag mit. Da der Kampf gegen Ausbeutung und Unterdrückung noch lange nicht gewonnen ist müssen wir sie beim Wort nehmen und am 8. März auf die Straße gehen. Wir kämpfen bis wir frei sind!

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Simone De Beauvoir

„Wenn man uns sagt: ‚Immer schön Frau bleiben, überlasst uns nur all diese lästigen Sachen wie Macht, Ehre, Karrieren, seid zufrieden, dass ihr so seid: erdverbunden, befasst mit den menschlichen Aufgaben…‘ Wenn man uns das sagt, sollten wir auf der Hut sein!“

Simone De Beauvoir (1908-1986)

Simone de Beauvoir wird am 9. Januar 1908 in Paris geboren und besucht zunächst die katholische Mädchenschule. Sie ist eine gute Schülerin und lebt in einer wohlhabenden Familie, die jedoch mit Ausbruch des Ersten Weltkrieges verarmt. Schon früh versucht sie sich auch von den religiösen Vorstellungen ihrer Familie zu distanzieren und fokussiert sich insbesondere auf das Studium der Philosophie. Sie möchte Gymnasialprofessorin werden und fängt an, sich in den intellektuellen Kreisen in Paris zu bewegen wo sie auch Jean-Paul Sartre trifft, der ihr lebenslanger Weggefährte bleiben wird. Sie wird Philosophielehrerin in Marseille und Sartre, der 800 Kilometer entfernt lebt, bietet ihr die Heirat an, da Ehepaare ein Recht darauf haben, nah beieinander zu leben. Sie schlägt dieses Angebot aus mit der Begründung, die Ehe sei eine “beschränkende Verbürgerlichung und institutionalisierte Einmischung des Staates in Privatangelegenheiten“.

Während der Zeit der deutschen Besatzung von 1940 bis 1944 bleibt sie in Paris und trifft unter anderem Pablo Picasso und Albert Camus. 1943 wird sie aus dem Schuldienst entlassen, weil sie die Beziehung einer Schülerin zu einem spanischen Juden verteidigt. Sie beginnt als Autorin tätig zu sein und veröffentlicht Romane uns Essays. In der Zeitschrift „Les Temps Modernes“ veröffentlicht sie ihre Schriften und ist auch als Mitarbeiterin tätig. Mit Sartre bereist sie viele Länder und veröffentlicht 1949 ihr bekanntestes Werk, „Das andere Geschlecht“, das als „Bibel der neuen Frauenbewegung“, also der zweiten Welle des Feminismus gilt. Aus diesem Buch stammt auch der berühmte Satz „Man kommt nicht als Frau zur Welt, man wird es.“ Sie vertritt die These, dass die Unterdrückung der Frau nicht biologisch, sondern gesellschaftlich bedingt sei. Sie studiert die Rolle der Frau in der Gesellschaft zu unterschiedlichen Zeiten und stellt die neuartige These auf, dass das Frau-Sein genau wie das Mann-Sein ein gesellschaftliches Konstrukt sei, welches einem von Kindesalter mehr beigebracht und aufgedrängt werde als dass es vom Individuum selbst ausgehe.

Zu dieser Zeit ist Simone de Beauvoir zwar schon länger in politischen Kreisen aktiv, bezeichnet sich jedoch nicht als Feministin oder Philosophin. „Das andere Geschlecht“ erlebt einen riesigen Erfolg, sie reist in die USA, aber auch nach China, Kuba, in die Sowjetunion und durch ganz Europa. Sie ist entschiedene Gegnerin des Algerien-Krieges und wird aufgrund ihrer öffentlichen Äußerungen und Schriften dazu teilweise bedroht. Im Jahr 1986 stirbt sie und wird neben Jean Paul Sartre in Paris begraben.

Simone de Beauvoir war eine der wichtigsten Theoretikerinnen der zweiten Welle der Frauenbewegung. Ihre Werke gelten als Grundstein für die „Gender Studies“ und Beauvoir wurde später in ihrem Leben Präsidentin der „Liga für Frauenrechte“ in Frankreich. Da der Kampf für die Gleichheit der Geschlechter noch immer nicht gewonnen ist würde auch sie uns auffordern, unsere Forderungen am 8. März auf die Straße zu tragen!

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Angela Davis

When children attend schools that place a greater value on discipline and security than on knowledge and intellectual development, they are attending prep schools for prison.

Angela Davis (*1944)

Geboren wird Angela Davis am 26. Januar 1944 in Burmingham, Alabama. Ihr Vorort wird aufgrund von beinahe regelmäßigen Bomben Anschlägen durch den Ku Klux Klan Dynamite Hill genannt. Schon in ihrer Kindheit und Jugend nimmt sie aufgrund ihrer politisch engagierten Mutter an Bürgerrechtsveranstaltungen und -demonstrationen teil.

Als sie dann 1956 anfängt zu studieren wird sie Teil vom marxistisch orientierten Gruppen und studiert von 1963 bis 1970 in New York, Paris, Frankfurt, Berlin und San Diego, wo sie sich der Black Panther Party anschließt und Teil der Che-Lumumba-Clubs, einer schwarzen Fraktion der Kommunistischen Partei in Los Angeles, wird. Während ihres politischen Engagements ist sie auch akademisch sehr erfolgreich, ihre Anstellung an der Uni wird ihr jedoch aus politischen Gründen zuerst verwehrt und erst aufgrund studentischer Proteste möglich. Aufgrund ihres Engagements für die „Soledad-Brothers“, einer Gruppe von Gefangenen im Soledad-Gefängnis, für die Angela Davis sich entsetzt, und Mitgliedschaft der Kommunistischen Partei der USA wird jedoch ihr Vertrag auch nicht verlängert. Sie setzt sich stark gegen das Justizsystem und den Gefängnisindustriekomplex in den USA ein, wo sie auch zu Unterdrückung aufgrund von „race, class and gender“ forscht. Die extreme Ungerechtigkeit dieses Systems veranlasst sie dazu, sich auch mit Gefangenen direkt in Kontakt zu setzen und für sie einzustehen.

1970 wird sie wegen Verdacht auf Beihilfe zum Mord angeklagt, da ein Gefangener bei einem Fluchtversuch mit einer von ihr gekauften Waffe mehrere Menschen erschießt, und flieht zunächst. Sie wird für einige Wochen vom FBI als eine der zehn „most-wanted-fugitieves“ gesucht und gefunden. Als Beihilfen zum Terrorismus droht ihr die Todesstrafe, was eine internationale Solidaritätswelle hervorruft. Nach zwei Jahren wird sie freigesprochen und reist anschließend durch die USA, um weiter über Bürgerrechte, Gefängnisreform und soziale Gerechtigkeit zu sprechen.

Ihre Mitgliedschaft in der Kommunistischen Partei bleibt eine Schwierigkeit für ihre berufliche Laufbahn, ihre Kandidatur als Vizepräsidentin der USA bringen ihr und der Partei jedoch große Bekanntheit ein. 1992 wird sie Professorin für „History of Consciousness“ an der University of California, an der sie später auch „Feminist Studies“ unterrichtet. 2013 tritt sie eine Gastprofessur an der Universität in Frankfurt am Main an. Bis heute setzt sie sich, vor allem als Sprecherin für politische Kampagnen und Bewegungen wie „occupy“ ein und schreibt Bücher, unter anderem „Women, Race and Class“. 2017 ist sie eine der Sprecherinnen des Womens March in Washington.

Angela Davis hat ihre politischen Überzeugungen niemals für akademische Anerkennung oder beruflichen Erfolg eingebüßt. In Zeiten, wo sie Repressionen ausgesetzt war hat sie standgehalten und gezeigt, was gesellschaftliche Solidarität ausmacht. Bis heute ruft sie am 8.März zum Internationalen Frauentag auf. Lasst uns ihrem Aufruf folgen!

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Frida Kahlo

„I never paint my dreams or nightmares. I paint my own reality.“

Frida Kahlo (1907-1954)

Frida Kahlo wird 1907 in Mexiko geboren. Schon früh bringt ihr ihr Vater das Fotografieren bei und sie lebt sich kreativ aus. Schon als Kind erkrankt sie an Kinderlähmung und wird 1923 Opfer eines Busunfalls, nach dem sie viel Zeit liegend verbringen muss. Während dieser Zeit beginnt sie zu Malen. Ihre körperlichen Qualen beeinflussen ihre Kunst, sie kann keine Kinder bekommen und lernt unter Schmerz mühsam wieder das Laufen. Auch ihre turbulente Beziehung zu dem Maler Diego Riviera verarbeitet sie in Bildern, die sie bis heute zur bekanntesten Malerin Mexikos machen.

Erst nach ihrem Tod findet ihr Werk die Popularität, die es heute hat, besonders die Frauenbewegung greift Frida Kahlo auf. Sie gilt als feministische Malerin, weil sie „frauentypische“ Leiden in ihren Bildern verarbeitet. Dies stimmt zwar, sie malt beispielsweise Bilder wie „Meine Geburt“, in denen sie ihre Fehlgeburt verarbeitet. Jedoch wird sie häufig als die Leidende dargestellt, die die Strapazen der unterdrückten, schwachen Frau darstellt. Dies ist jedoch nur eine Seite von Frida Kahlo, genau wie es nur eine Seite ihrer Kunst ist. In ihren Selbstportraits ist sie zwar teilweise weinend dargestellt, zahlreiche Symbole verweisen auf Schmerz und Gebrochenheit, jedoch ist ihr Gesichtsausdruck meist klar und selbstbewusst.

Sie wirkt nicht als passiv leidende Frau, sondern in ihrem Schmerz stark und bestimmt. Dies lässt sich auch auf ihre Person übertragen, denn Kahlo ist weder eine passive noch eine stumm leidende Person. Sie ist ihr Leben lang politisch aktiv, unter anderem als Mitglied der Kommunistischen Partei Mexikos, und ihre Werke sind auch von den politischen und gesellschaftlichen Fragen ihrer Zeit beeinflusst. Ihr Haus wird zum Treffpunkt für die vielen von Faschismus und Krieg Vertriebenen aus Europa. Um sich merklich mit der mexikanischen Revolution zu solidarisieren trägt sie mexikanische Trachten und präkolonialen Schmuck. Außerdem fertigt sie monumentale Wandbilder an, um „etwas Nützliches für die kommunistische revolutionäre Bewegung“ zu malen und lässt sich in anderen Werken von den Motiven und Techniken mexikanischer Volkskunst inspirieren. Sie ändert auch ihr Geburtsjahr zu 1910, dem Jahr der Mexikanischen Revolution, um ihre Verbundenheit zum Ausdruck zu bringen.

Ab 1940 verschlechtert sich Kahlos gesundheitlicher Zustand. Sie ist oft monatelang ans Bett gefesselt und malt dort mit Hilfe von speziellen Konstruktionen. Den ärztlichen Rat wie so oft in den Wind schlagend, nimmt sie, kaum von einer Lungenentzündung genesen, an einer Demonstration teil. Wenige Tage später stirbt sie. In ihren Bildern sehen wir auch heute nicht die Schwäche und das Leiden, sondern auch die Lebenslust und den Kampfeswillen einer Frau, die trotz allem stark geblieben ist. An diese Frida müssen wir denken, wenn wir am 8. März auf die Straße gehen!

“Ich muss mit aller Kraft kämpfen, damit die kleinen positiven Dinge, die meine Gesundheit mir zulässt, auf die Unterstützung der Revolution ausgerichtet werden können. Der einzige wirkliche Grund zu leben.“

Frida Kahlo (1907-1954)
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Sophie Scholl

“Leistet passiven Widerstand, Widerstand, wo immer ihr auch seid, verhindert das weiterlaufen dieser Kriegsmaschine, ehe es zu spät ist…”

Sophie Scholl (1921-1943)

Geboren wird Sophia Magdalena Scholl am 9. Mai 1921 in Forchtenberg. Sie ist das dritte der 5 Kinder der Familie Scholl, zu denen auch ihr Bruder Hans gehört. An den christlichen und liberalen Idealen, nach welchen sie erzogen werden, orientiert sich Sophie auch später in ihrem Leben. In den ersten Jahren der Regierung durch die Nationalsozialisten waren die Geschwister Scholl engagierte Mitglieder der erschaffenen Gesellschaftsordnung. Sophie tritt 1934 dem “Bund Deutscher Mädel“ bei und nimmt in kurzer Zeit auch Führungspositionen an. 1936 nimmt sie gemeinsam mit ihrem Bruder an Aktivitäten der „Deutschen Jugendschaft vom 1. November 1929“ (dj.1.11) teil, weshalb sie beide für einige Stunden verhaftet wurden. Daraufhin wenden sie sich von den Idealen und Jugendorganisationen der NSDAP wieder ab. Ihnen wird klar, dass sich ihre Überzeugungen nicht mit den Inhalten und Plänen der Regierung vereinbaren lassen.
Mit dem im Mai 1942 beginnendem Studium in München, lernt sie ähnlich gesinnte Jugendliche kennen, wodurch sie in ihrer Ablehnung gegenüber dem Regime gestärkt wird. Sophie und Hans schließen sich einer Gruppe an, welche unter dem Namen „Weiße Rose“ agiert, und heutzutage als eine der wichtigsten Widerstandsgruppen bekannt ist. Gemeinsam verteilen sie, unter Lebensgefahr, Flugblätter, welche die Nazis offiziell anprangern und die Bevölkerung zum Widerstand aufrufen:

„Der Tag der Abrechnung ist gekommen, der Abrechnung unserer deutschen Jugend mit der verabscheuungswürdigsten Tyrannis, die unser Volk je erduldet hat.“

„Die Arbeiterschaft muß durch einen vernünftigen Sozialismus aus ihrem Zustand niedrigster Sklaverei befreit werden. Das Truggebilde der autarken Wirtschaft muß in Europa verschwinden. Jedes Volk, jeder einzelne hat ein Recht auf die Güter der Welt!“

„Ist Euer Geist schon so sehr der Vergewaltigung unterlegen, daß Ihr vergeßt, daß es nicht nur Euer Recht, sondern Eure sittliche Pflicht ist, dieses System zu beseitigen?“

Die insgesamt sechs Flugblätter der weißen Rose werden zuerst in München, aber durch Weitergabe auch in Köln, Stuttgart, Berlin und Wien verteilt. Durch Helmut Graf kommen sie nach Großbrittannien, wo sie in Massen gedruckt und über Deutschland abgeworfen werden.
Am 18. Februar 1943 werden Sophie und Hans Scholl bei einer Flugblattaktion an der Universität entdeckt und von der Gestapo verhaftet. Über drei Tage wird Sophie verhört und stellte sich und ihren Bruder als alleinige Täter dar um Freunde und Verbündete zu schützen. Die letzte Frage des Verhörs lautete:
„Während der Gesamtvernehmung, die sich über zwei volle Tage erstreckte, haben wir zwischendurch, wenn auch nur streiflichtartig, verschiedene politische und weltanschauliche Fragen besprochen. Sind Sie nach diesen Aussprachen nun nicht doch zu der Auffassung gekommen, dass man Ihre Handlungsweise und das Vorgehen gemeinsam mit Ihrem Bruder und anderen Personen gerade in der jetzigen Phase des Krieges als ein Verbrechen gegenüber der Gemeinschaft, insbesondere aber unserer im Osten schwer und hart kämpfenden Truppen, anzusehen ist, das die schärfste Verurteilung finden muss?“
Antwort: „Von meinem Standpunkt muss ich diese Frage verneinen. Ich bin nach wie vor der Meinung, das Beste getan zu haben, was ich gerade jetzt für mein Volk tun konnte. Ich bereue deshalb meine Handlungsweise nicht und will die Folgen, die mir aus meiner Handlungsweise erwachsen, auf mich nehmen.“
Am 22. Februar wird sie zum Tode verurteilt und zusammen mit ihrem Bruder und Christoph Probst, einem Mitstreiter, hingerichtet.

Sophie Scholl hat ihr Leben riskiert um gegen den Faschismus zu kämpfen. Die Erinnerung an ihren Mut bestärkt uns, wenn wir heute gegen die kämpfen, die versuchen uns zu spalten und zu unterdrücken. Am 8. März gedenken wir also auch ihr, wenn wir gegen das Patriarchat demonstrieren und unseren Kampf auf die Straße tragen!

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Rosa Parks

“Whatever my individual desires were to be free, I was not alone. There were many others who felt the same way.”

Rosa Parks (1913-2005)

Rosa Parks wird 1913 in Alabama in den Südstaaten der USA geboren. In Montgomery ist die Rassentrennung stark ausgeprägt und Rosa Parks besucht ausschließlich Schulen für Afroamerikaner. In ihrer Autobiografie erinnert sie sich später an Ereignisse ihrer Kindheit, beispielsweise wie ihr Großvater die Wohnung mit einer Waffe hinter der Tür versteckt sichert, während der Ku-Klux-Klan in der Straße marschiert.
1932 heiratet sie Raymond Parks, der in der NAACP, Association for the Advancement of Colored People, aktiv ist. Sie wird später Sekretärin in dieser Organisation, die eine der einflussreichsten Bürgerrechtsorganisationen in den USA ist, außerdem besucht sie die Highlander Folk School, wo Aktivisten, die für Arbeiterrechte und Bürgerrechte einstehen, ausgebildet werden. Als Mitglied der Bürgerrechtsbewegung ist sie in den 1940er und 50er Jahren unter anderem aktiv in der League of Women Voters, die sich für die Beteiligung von Frauen an der Politik einsetzt.

1955 wird sie zur Ikone der Bürgerrechtsbewegung. Am 1. Dezember dieses Jahres fährt sie nach der Arbeit mit dem Bus, in dem es eine strikte Rassentrennung gibt. Nachdem weiße Fahrgäste sie auffordern, ihren Sitzplatz in der „Colored Section“ aufzugeben, damit sie in dem vollen Bus nicht stehen müssen, bleibt Rosa Parks sitzen. Später erinnert sie sich an diesen Tag:
„People always say that I didn’t give up my seat because I was tired, but that isn’t true. I was not tired physically, […] the only tired I was, was tired of giving in.”
Parks wird verhaftet und ihr Widerstand an diesem Tag erregt weites Aufsehen. Er wird zur Inspiration für den „Montgomery Bus Boycott“. Das „Women’s Political Council“, Teil der Bürgerrechtsbewegung, veröffentlicht am selben Tag einen Aufruf: „Another woman has been arrested and thrown in jail because she refused to get up out of her seat on the bus for a white person to sit down. […] Three-fourths of the riders are Negro, yet we are arrested, or have to stand over empty seats. If we do not do something to stop these arrests, they will continue. […] We are, therefore, asking every Negro to stay off the buses Monday in protest of the arrest and trial. Don’t ride the buses to work, to town, to school, or anywhere on Monday.“
Über ein Jahr lang boykottieren Afroamerikaner in Montgomery den Nahverkehr, bis die Rassentrennung in den Bussen aufgehoben wird. Als ein wichtiger Schritt gibt dieser Erfolg der Bürgerrechtsbewegung, die noch viele weitere Kämpfe vor sich haben wird, einen Aufschwung und wurde zum Symbol für gewaltfreien Protest gegen herrschende Unterdrückung.

Rosa Parks ist jedoch nicht nur eine Symbolfigur für diesen Widerstand, sondern nimmt auch aktiv an den folgenden Kämpfen teil. Trotz Entlassungen und Morddrohungen bleibt sie Teil der Bürgerrechtsbewegung. Als sie 1957 in den Norden der USA nach Detroit zieht bemerkt sie, dass die Situation dort nicht so anders ist als im Süden: “I don’t feel a great deal of difference here … Housing segregation is just as bad, and it seems more noticeable in the larger cities.”
Rosa Parks bleibt dem Kampf um politische und soziale Gleichheit, gegen Rassismus und sexuelle Unterdrückung und Gewalt gegen Frauen ihr Leben lang treu. Wenn wir am 8. März auf die Straße gehen, tragen wir die Erinnerungen an Frauen wie Rosa Parks mit uns, die Leitfiguren der Bewegung gegen Unterdrückung bleiben und uns in unseren Kampf inspirieren und weitermachen lassen.

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Rosa Luxemburg

„Ein mit Kraft und Solidarität durchgeführter Streik ist immer unverloren“

Rosa Luxemburg (1871-1919)

Geboren wird Rozalia Luksenburg am 5. März in Zamość im heutigen Polen. Bereits in der Schule ist sie aktiv in geheimen politischen Gruppierungen, welche sich aufgrund von staatskritischen und marxistischen Inhalten im Untergrund bewegen müssen. 1888 besteht sie das Abitur als Klassenbeste, jedoch verweigert ihr die Schulleitung die Auszeichnung „wegen oppositioneller Haltung gegenüber den Behörden“. Im selben Jahr flieht sie vor der Zarenpolizei, die ihre Mitgliedschaft im verbotenen „Proletariat“ entdeckt hatte, aus Warschau nach Zürich. Dort belegt sie an der Universität zahlreiche Kurse und knüpft Kontakte in der sozialistischen Bewegung welche sie schließlich nach Deutschland bringt.

In Berlin tritt sie der SPD bei und wird zur treibenden Kraft im linken revolutionären Flügel. Als Redakteurin der Sächsischen Volkszeitung und Leipziger Volkszeitung nimmt sie maßgeblich Einfluss auf die politischen Diskussionen in Deutschland. Nach lautstarker Kritik an der Genehmigung der Kriegskredite durch die SPD und den Kriegsausbruch 1914 provoziert sie eine Abspaltung, aus der die „Gruppe Internationale“ und schließlich der Spartakusbund entstehen sollte, aus der sich unter anderem 1919 die KPD konstituiert.

1915-1918 verbringt sie größtenteils im Gefängnis, aufgrund einer von ihr gehaltenen Rede, in der sie die Arbeiter auffordert, im Falle eines Krieges den Dienst zu verweigern und nicht auf die Genossen der Nachbarländer zu schießen. In Gefangenschaft verfasst sie weiterhin Texte zum politischen Geschehen, welche von Verbündeten geschmuggelt und veröffentlicht werden.

Während der Novemberrevolution 1918-1919 nimmt Luxemburg eine klare Position für eine konsequente Durchsetzung revolutionärer Politik ein. Als Redakteurin der Zeitung „Die Rote Fahne“ nimmt sie mit Karl Liebknecht maßgeblich Einfluss auf den Verlauf der Revolution und stellt sich somit auch gegen die SPD.

Am 15. Januar 1919, kurz nach der Gründung der KPD, wird sie von den Freikorps, welche enge Kontakte zur SPD pflegen, in Berlin ermordet.

„Wer sich nicht bewegt, spürt seine Fesseln nicht!“

Rosa Luxemburg (1871-1919)

Rosa Luxemburg war eine der einflussreichsten Vertreterinnen der deutschen Arbeiterbewegung und eine der wichtigsten politischen Personen des 20. Jahrhunderts. Als Vertreterin des Marxismus, des proletarischen Internationalismus und als Befürworterin von Massenstreiks als Mittel für sozialpolitische Veränderungen und Kriegsverhinderung ist sie bis heute von großer Bedeutung. Als Vertreterin eines revolutionären Kampfes, auch für die Befreiung der Frau, kämpft sie unter anderem für das Frauenwahlrecht und veröffentlicht Schriften wie „Frauenwahlrecht und Klassenkampf“. Als Teil der Bewegung, die den 8. März als Internationalen Frauenkampftag begründet hat würde sie uns auch heute noch aufrufen, diesen Tag zu Nutzen, um für unsere Rechte auf die Straße zu gehen.

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PUSH – Für das Grundrecht auf Wohnen

Ein paar Bilder von unserem Kinoabend am 19.2.2020. Danke an das 3001 Kino, Marc Meyer und Michael Wetzel!

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Rosa-Luxemburg-Konferenz 2020

Wir waren bei der Rosa-Luxemburg-Konferenz in Berlin. Hier findet ihr ein paar Eindrücke 🙂

Hauptsaal auf der Rosa-Luxemburg-Konferenz am Samstag
Das Jugendpodium am Samstag
🙂
An der Gedenkstätte der Sozialisten am Sonntag