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05/2021 Lautschrift

RASSISMUS AN SCHULEN

Alltagsrassismus und Racial Profiling machen vor unseren Klassenzimmern nicht halt. Ob man durch den gleichen Lehrer immer und immer wieder schwerer für Regelverstöße bestraft wird, sich gehässige oder abwertende Kommentare anhören muss oder einem nur auf Grundlage der Herkunft seiner Eltern weniger zugetraut wird. Wenn man nicht selbst Zielscheibe dessen ist, hat man es mindestens schon miterlebt. Rassismus an unseren Schulen ist Alltag und die Liste der Erfahrungsberichte endlos. Dies legte unter anderem eine Online Kampagne mit dem Hashtag #MeTwo 2018 offen, unter dem Anekdoten und Zitate rassistischer Diskriminierung im Bildungswesen geteilt wurden. Diese sind weder Ausnahmen noch auf die leichte Schulter zu nehmen. Dass Lehrkräfte die Fähigkeiten ihrer Schüler:innen nicht objektiv, sondern abhängig von deren Migrationsgeschichte einschätzen und gegenüber Schüler:innen mit Migrationshintergrund negativer eingestellt sind, ist unter anderem von Sabine Glock, vom Institut für Bildungsforschung an der Universität Wuppertal, durch Tests und Studien erfasst. Gleichzeitig steckt der Forschungsstrang laut Glock noch in den „Kinderschuhen“. Im Vergleich zu den USA z. B. ist der Umfang rassistischer Diskriminierung in Deutschland nur lückenhaft erfasst. Das Minimum einer unbestreitbaren Tendenz lässt sich, wie in jedem gesellschaftlichen Raum, jedoch klar und deutlich ausmachen. Lehrer und Lehrerinnen nehmen in Bezug auf soziale Ungleichheit und Diskriminierung einen besonderen Stellenwert ein, da durch sie Kinder und Jugendliche betreut werden. Sie haben im Bildungssystem Autorität, Vertrauens- und Vorbildfunktion. Besonders in den unteren Klassenstufen haben sie die Verantwortung, ihre Schüler:innen mit zu erziehen. Wenn sie nun diskriminierendes Verhalten an den Tag legen, stellt dies eine massive psychische Belastung für die Schüler:innen dar und hinterlässt schwere seelische Schäden. Eine Berliner Studie aus dem Jahr 2017 stellte fest, dass Lehrkräfte gegenüber türkeistämmigen Erstklässler:innen niedrigere Erwartungen haben als gegenüber ihren Mitschüler:innen, selbst bei gleichen Leistungen. Tim Müller, Mitwirkender an der Studie, sagt hierzu: „Wer hohe Erwartungen an ein Kind hat, investiert in dieses mehr Zeit, lässt ihm mehr Förderung zukommen“. Abseits davon kann Diskriminierung im Klassenzimmer laut einer Studie von Wissenschaftler:innen der Martin-Luther-Universität Halle Wittenburg (MLU) durch das Schwächen der Motivation und das Stärken von Versagensängsten langfristig zu einem Nachlass der Leistungsfähigkeit führen. Die hierdurch verursachte Frustration wird selten behandelt. Noch seltener beleuchtet wird die kategorisierende Konsequenz. Eine Studie der Universität Mannheim von 2018 hat ergeben, dass Lehrpersonal Diktate von Schüler:innen mit ausländisch klingendem Namen im Vergleich zu Schüler:innen mit deutschem Vornamen trotz gleicher Fehlerquote schlechter bewerten. Zusätzlich erhalten Schulkinder mit Migrationshintergrund, bei gleichen Leistungen, seltener eine Gymnasialempfehlung als Kinder ohne Migrationshintergrund. Dies hat maßgeblichen Einfluss auf den Bildungsweg und die spätere Perspektive auf dem Arbeitsmarkt. Unser Bildungssystem stellt die Weichen für unsere spätere Stellung auf dem Arbeitsmarkt und in der Gesellschaft. Hierbei hält es auch soziale Unterschiede aufrecht und reproduziert Armut sowie rassistische Diskriminierung, die oft Hand in Hand gehen. Rassismus als Diskriminierungsform wirkt zum einen in die Schulen hinein, was eine direkte Benachteiligung und Terrorisierung der Schüler:innen zur Folge hat, zum anderen rechtfertigt das Schulsystem die rassistischen Strukturen unserer Gesellschaft. Somit ist die Instanz „Schule“ auch als ein Baustein in unserem rassistischen System anzuerkennen, was sich nicht von heute auf morgen verändern lässt. Trotzdem kann und muss der von Lehrer:innen ausgehenden Diskriminierung durch entsprechende Ausbildung und Schulungen entgegengewirkt werden. Schulungen des Lehrpersonals und unabhängige Beschwerdestellen sowie mehr Mitbestimmung von Schüler:innen in den Prozessen im Schulalltag können hier einen ersten Schritt darstellen.

WENN SCHÜLER:INNEN DEN KAMPF GEGEN RASSISMUS AUFNEHMEN:

Am 21. März, dem internationalen Tag gegen Rassismus, demonstrierten 2019 rund 200 Schüler:innen der Gesamtschule Suderwich gegen Diskriminierung und Rassimus. Den Anstoß hierzu gab die Behandlung der Themen „Rassimus“ und „Menschenrechte“ im Unterricht.