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05/2021 Lautschrift

Bundeswehr an Schulen

Die Doppelmoral des Bildungswesens

In der Schule wird uns immer beigebracht, dass man Streitereien friedlich lösen soll. Auch Kriege werden im Geschichtsunterricht als etwas moralisch Verwerfliches und Rückständiges betrachtet. Demnach ist Militär und Kriegstreiberei eigentlich etwas, was gerade Jugendlichen nicht nahegebracht werden sollte. Dennoch wirbt die Bundeswehr massiv an Schulen und Berufsmessen. Hier präsentiert sie sich natürlich nicht als kriegstreibend oder gewaltvoll, sondern als normalen Arbeitgeber, bei dem man Aktion und Abenteuer erleben kann. Aber ist das wirklich so? Ist die Bundeswehr ein normaler Arbeitgeber?

Schauen wir uns die harten Fakten an.

Seit 1992 wurden 108 deutsche Soldaten getötet, alleine 55 davon in Afghanistan. Die Bundeswehr selbst tötete (nach offiziellen Angaben) rund 200 Menschen in Afghanistan. Die Zahl der traumatisierten Soldaten liegt dabei natürlich noch viel höher. 2018 wurden 1875 Fälle von Soldaten in psychischer Behandlung verzeichnet. Schätzungen zufolge steigen diese jedoch kontinuierlich um rund 100 Fälle pro Jahr an, da die Auslandseinsätze zahlreicher werden.

Jeder andere normale Beruf in Deutschland würde mit solchen Daten, allein auf Grund des Arbeitsschutzgesetzes, nie zugelassen werden. Kennen wir nun also diesen Hintergrund, müssen wir uns vor Augen führen, dass man schon vor dem Erreichen des 18. Lebensjahres von der Bundeswehr rekrutiert werden darf. So wurden 2017 2.128 17-Jährige rekrutiert. Diese Jugendlichen erhalten dieselbe militärische Ausbildung an der Waffe wie erwachsene Soldaten und werden dann oft schon bald nach Erreichen der Volljährigkeit in Auslandseinsätze geschickt.

Aber warum ist die Bundeswehr überhaupt im Auslandeinsatz?

Uns wird immer beigebracht, dass die Bundeswehr sowohl unsere „Werte“ wie Demokratie und Menschenrechte in anderen Ländern verteidigen als auch unsere Sicherheit im Ernstfall schützen muss. Unter diesem Gesichtspunkt kann es plausibel scheinen, dass auch die große Gefahr und Belastung, denen junge Menschen in der Bundeswehr ausgesetzt sind, „in Kauf genommen“ werden kann, wenn es um die Sicherheit unseres Landes und die Menschenrechte und den Schutz der Menschen in Einsatzländern geht. Zwar wirkt diese Argumentation schon an sich etwas merkwürdig, aber was noch viel wichtiger ist, sie täuscht über die wirklichen Tatsachen hinweg. Denn die 12 derzeitigen Auslandeinsätze sind in vielerlei Hinsicht mehr als umstritten. Nehmen wir beispielsweise den Einsatz in Afghanistan. Hier gab es seit 2001 ca. 160.000 afghanische Kriegstote, 2,5 Millionen Binnenvertriebene und 2,7 Millionen Geflüchtete. So kam im Jahr 2020 der größte Anteil an Geflüchteten in Deutschland aus Afghanistan. Zudem wurde bis jetzt nichts an der politischen Lage dort verbessert. Trotzdem begründete der ehemalige SPD-Politiker Struck diesen Einsatz mit der Aussage: „Die Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland wird heute auch am Hindukusch verteidigt.“  Auch in Syrien „unterstützt“ die Bundeswehr vielseitig. Die Zahl der Todesopfer beläuft sich hier auf ca. 500.000 und auch hier gibt es keine Aussicht auf Verbesserung. Somit lässt sich erkennen, dass die Begründungen der Politiker nur vorgeschoben sind und in Wirklichkeit vielmehr internationale Machtspiele, wirtschaftliche und geopolitische Interessen im Vordergrund stehen. Aus diesem Grund ist es um so makaberer, Jugendliche für diese auf Profitgier und Skrupellosigkeit beruhenden Auslandeinsetze anzuwerben.

Aber wie wirbt die Bundeswehr Jugendliche an? 

Die Bundeswehr bedient sich hierbei zwei verschiedener Möglichkeiten. Zum einen schickt sie so genannte Jungoffiziere an Schulen, die dort von ihren Tätigkeiten berichten und über die generellen Fakten aufklären. Diese dürfen allerdings nicht für die Bundeswehr werben und Jugendliche von einer Rekrutierung überzeugen. Deshalb gibt es außerdem die Karriereberater der Bundeswehr. Sie gehen zu Schulen und Berufsmessen und werben aktiv Jugendliche an. Zwar muss es den Jugendlichen freigestellt sein, ob sie an diesen Treffen teilnehmen, aber natürlich sind viele sehr neugierig. Diese Technik scheint auch zu funktionieren. So lautet die Antwort auf eine Anfrage der Linken: Die Beratung habe „zu einer guten Bedarfsdeckung der Bundeswehr“ beigetragen.

Aber ist es überhaupt legal Kinder für den Kriegseinsatz anzuwerben?

Die Antwort ist ganz klar „NEIN“! Die Werbung für Militäreinsätze widerspricht den Prinzipien der UN-Kinderrechtskonvention, die auch Deutschland unterschrieben hat. Die darin verbrieften Kinderrechte gelten für alle Menschen unter 18 Jahren. Somit lässt sich auch hier erkennen, dass Deutschland die internationalen Regeln, die aus den Erfahrungen der 2 Weltkriege entstanden sind, nur als eine Art Empfehlung wahrnimmt. Denn wenn es darum geht, deutsche Interessen und Macht durchzusetzen, kann man auch mal eine Kinderrechtskonvention hintergehen.

Zu allem Gesagten kommt das massive Rechtsextremismusproblem in der Bundeswehr und die Wahrscheinlichkeit, innerhalb ihrer Strukturen schon im jungen Alter rechte Propaganda und Gruppierungen kennenzulernen und von ihnen beeinflusst zu werden.

Deshalb fordern wir ein Verbot von Bundeswehr Werbung an Schulen und stattdessen mehr Aufklärung über das Kriegsgeschehen und die wirklichen Hintergründe für Auslandseinsätze. Außerdem fordern wir ein Verbot für die Rekrutierung von Minderjährigen, um sie vor diesen Interessen zu schützen.