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03/2020 Lautschrift

PUSH-REZENSION

Wir haben den Film „PUSH – Für das Grundrecht auf Wohnen“ am 19.2.2020 im Kino 3001 gezeigt und im Anschluss ein Podiumsgespräch mit Michael Wetzel (Mieter*inneninitiative Wrangelstraße) und Marc Meyer (Anwalt bei Mieter helfen Mietern) geführt. Mit ungefähr 85 Leuten hatten wir einen netten sowie informativen Abend. Unsere Rezension zu dem Film lest ihr hier.

Die Dokumentation „Push – Für das Grundrecht auf Wohnen“ befasst sich mit einem der brennendsten Themen weltweit. Überall wird das Wohnen in den Städten teurer, ob in Toronto, Berlin, Uppsala oder Valparaíso. Begleitet von einem Kamerateam reist Leilani Farha (UN Sonderberichterstatterin für das Recht auf Wohnen) unter anderem in diese Städte um den Ursachen von Wohnungsnot und Mietenwahnsinn auf den Grund zu gehen. Sie spricht mit Mieter*innen, Aktivist*innen und Professor*innen um sich ein Bild von ihren Kämpfen und Analysen zu machen.

Befragt werden zu dem Thema eine Reihe von Experten, darunter Roberto Saviano, Saskia Sassen und Joseph Stiglitz. Sie erklären, wie Profit aus Wohnraum geschlagen werden kann und welche legalen und illegalen Strukturen hinter Unternehmen stecken, welche wir als Haus- und Grundbesitzer kennen.

Schnell wird klar, dass das Wohnproblem ein globales ist, da sich Gehälter und Mieten überall asymmetrisch entwickeln. So sind die Mieten beispielsweise in Toronto in den letzten 30 Jahren um 425% gestiegen, die Gehälter jedoch gerade mal um 133%. 

Schon am Anfang des Films wird ein wichtiger Punkt gemacht: das Problem ist viel tiefgehender als Gentrifizierung selbst, es geht den Immobilienunternehmen nicht um Wohnraum, sondern um Vermögenswerte.

Zwar ist die Gentrifizierung, also die Verdrängung der ansässigen Bewohner durch wohlhabendere Bevölkerungsschichten, ein nicht unwesentlicher Teil des Problems, jedoch nicht dessen grundlegende Ursache. Wenn bestimmte Stadtteile beliebt werden, werden sie gleichzeitig auch attraktiv für große Investmentgesellschaften wie Blackstone (beispielsweise in New York, London und Uppsala), die dann teilweise ganze Wohnviertel aufkaufen und die Mieten erhöhen, oder leerstehende Gebäude teuer weiterverkaufen.

Immobilien sind im Kapitalismus Ware. Oft stehen Objekte, die sich im Besitz von Großkonzernen befinden leer, da sie einzig zum Zweck des Weiterverkaufs oder der Geldanlage erworben werden. Es geht also nicht um den Besitz der Immobilien, sondern darum, möglichst großen Gewinn aus ihnen zu schlagen. Die Gebäude müssen dabei nicht einmal renoviert und vermietet werden, da ihr Wert auch so mit der Zeit steigt.

Wohnraum wird so zu einem Spekulationsobjekt und nicht mehr als lebensnotwendiges Grundrecht behandelt.

Die Reporterin Leilani versucht, mit so vielen Menschen wie möglich zu sprechen und schafft es, die verschiedenen Auswirkungen der Wohnungsnot auf die Menschen klar zu machen. Gleichzeitig scheint sie dem Sprechen mit Menschen manchmal ein wenig zu viel Bedeutung zu geben, beispielsweise, wenn sie versucht mit den Unternehmen Blackstone über die moralische Dimension ihrer Geschäfte zu sprechen. Dabei wird von ihr teilweise nicht beleuchtet, dass große Unternehmen ökonomischen Gesetzen auf dem freien Markt unterliegen und allein durch Eingreifen und das Verstaatlichen von Wohnungen auf diese Mechanismen geantwortet werden kann – nicht mit moralischen Prinzipien. Trotzdem stellt der Film die prekären Verhältnisse und die sich zuspitzende Lage auf dem globalen Immobilienmarkt gut dar. Er legt den Fokus auf die großen Unternehmen, welche es durch hohe Mieten, Leerstände und reines Profitinteresse immer unmöglicher machen bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Als Betroffene von Wohnungsnot erkennen wir einiges aus unserer Stadt in dem Film wieder – er ist also für uns alle interessant und eine absolute Empfehlung von uns!

Artikel von Noa & Kaja / Aus der Lautschrift 3/2020 – Wem gehört die Stadt?