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11/2020 Lautschrift

Die Frauenquote

Die Frauenquoten sind geschlechterbezogene Quotenregelungen, die den Anteil an Frauen in Firmen, Gremien oder Ähnlichem regeln sollen. Sie sollen der Diskriminierung der Frau entgegenwirken, da die meisten Firmen, besonders für hohe Positionen, bevorzugt Männer einstellen. Doch welche Probleme löst die Frauenquote eigentlich?

Mit der Frauenquote sollen Firmen per Gesetz gezwungen sein, mindestens eine bestimmte Prozentzahl an Frauen einzustellen. Die Folge davon soll sein, dass den Bewerbungen von Frauen immer etwas mehr Aufmerksamkeit geschenkt wird. Die Frauenquoten gelten größtenteils in europäischen Ländern, doch auch zum Beispiel in Equador oder Indien werden sie teilweise eingesetzt. Grundsätzlich eine super Sache, dass Frauen bei der Jobsuche nicht mehr benachteiligt werden ist doch wunderbar, oder?

Erst einmal möchte ich darüber sprechen, wie unzureichend die Frauenquote in Deutschland ist. Hier gilt: Seit 2015 müssen Aufsichtsräte von mitbestimmungspflichtigen Unternehmen, das heißt Unternehmen, in denen in der Regel mehr als 2.000 Arbeitnehmer:innen tätig sind, die zudem auch noch börsennotiert sind, zu 30% von Frauen besetzt sein. Dies betrifft nur gut 100 Unternehmen in ganz Deutschland. Das ist alles, was die gesetzlich gebundene Frauenquote in Deutschland beinhaltet, alles Weitere ist eine bloße Empfehlung. In Europa gibt es zehn Länder, die eine gesetzlich bindende Frauenquote haben. Unter diesen Ländern ist die Regelung in Deutschland die allerschwächste. So kommen wir auch direkt zum nächsten Punkt; dass die allgemeine Euphorie über diese Regelung vom wahren Problem ablenkt.

Wenn eine Frauenquote eine Firma dazu, bringt vermehrt Frauen einzustellen, legt das noch immer kaum fest, in welchem Bereich diese Frauen dann arbeiten werden und wie viel sie dafür bezahlt werden. Frauen werden in unserer Gesellschaft, durch Medien, Schule und Vorbilder von klein auf darauf gepolt, weiblich zu sein und „weibliche Berufe“ auszuüben. Als Frau wird man Sekretärin oder Hausfrau. Als Mann wird man Handwerker oder Chef. Dieses Problem rührt die Frauenquote erstmal nicht an. Stattdessen führt sie dazu, dass von vielen Leuten das Thema sexistische Diskriminierung am Arbeitsplatz „abgehakt“ wird – „Wir haben doch eine Frauenquote, darüber muss man sich doch jetzt keine Gedanken mehr machen.“

Des Weiteren reduziert die Idee der Frauenquote feministische Politik auf die Beteiligung von Frauen an politischen Entscheidungen. Die Frauenquote suggeriert allgemein, dass mehr Frauen in Machtpositionen gleich mehr feministische Politik bedeutet. Dass dies nicht der Fall ist, sehen wir zurzeit am Wahlkampf in den USA: Kamala Harris ist kalifornische Senatorin, ehemalige Attorney General von Kalifornien und Vizepräsidentschaftskandidatin. Unter der demokratischen Wählerschaft wird häufig damit argumentiert, dass sie ja als schwarze Frau Politik für diskriminierte Gruppen und Minderheiten machen würde, als wäre das ein Automatismus. Der Inhalt von Harris Politik in der Vergangenheit zeigt jedoch, dass sie nicht immer ein Herz für die einfachen Menschen hatte. Das Jacobin-Magazin bezeichnet ihre Nominierung als „[…] Sieg, zumindest temporär, der unternehmerfreundlichen Fraktion über den linken Flügel der Demokratischen Partei […]“. Als General Attorney machte sie sich mehr als einmal für gesetzliche Regelungen stark, die besonders US-Bürger:innen mit Migrationshintergrund und aus armen Familien hart treffen. Kamala Harris aufgrund ihrer Identität als schwarze Frau als Vertreterin von marginalisierten Gruppen zu sehen, lenkt vom tatsächlichen Inhalt ihrer Politik ab, der nicht als fortschrittlich beschrieben werden kann.

Ob sie nun eine Frau oder ein Mann ist, macht für die US-amerikanischen Bürger:innen so wenig einen Unterschied, wie es für uns einen Unterschied macht, dass Merkel eine Frau ist – denn der Inhalt der Politik entscheidet letztendlich darüber, ob jemand in einer Machtposition unsere Interessen vertritt. So macht es eben auch kaum einen Unterschied, wenn an der Spitze eines kapitalistischen, menschenfeindlichen Unternehmens eine Frau sitzt – das Unternehmen wird trotzdem gegen die Interessen eines Großteils seiner beschäftigten Arbeiter:innen und weiblichen Angestellten handeln. Damit möchte ich sagen, dass das Problem durch eine Frauenquote nicht strukturell angegriffen wird, sondern sich auf den Einzelfall bezieht. Sicherlich haben also von diesen Regelungen einige Frauen profitiert, aber das sind halt nun mal nur Einzelfälle und machen im Großen und Ganzen kaum einen Unterschied aus.

Also: Die Frauenquoten sind grundsätzlich keine schlechten Regelungen, mehr Frauen in Machtpositionen ist ein guter Schritt. Sie sind aber nicht annähernd genug und führen keinesfalls zwangsläufig zu feministischer Politik. Wir brauchen Regelungen, die auf wirkliche Gleichstellung am Arbeitsmarkt hinarbeiten.

Es ist sehr wichtig, solche Regelungen nicht hinzunehmen oder sich mit ihnen zufrieden zu geben, sondern stattdessen auf die Inhalte der Politik zu achten und zu sehen, ob diese eigentlich in unserem Interesse sind.