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10/2019 Lautschrift

Bernd Luckes Rückkehr an die Uni Hamburg – Symptom eines größeren Problems

Bernd Lucke, Gründungsvorsitzender der AfD, nimmt zum Wintersemester 2019/20 wieder seinen Lehrstuhl an der Uni Hamburg auf. Dass mit der Gründung der AfD der Rechtsruck eine parlamentarisch legitimierte Form erreicht hätte und mit Professoren wie Lucke rechten Kräften Raum an Hochschulen gegeben würde, kritisieren viele Studierende. Die Tatsache, dass die Universität kein Problem mit solchen Entscheidungen hat, deutet jedoch nicht auf unbegründete Ignoranz hin.


„Das Präsidium darf und möchte sich nicht zu seiner politischen Vergangenheit oder zu seinem Dienstverhältnis äußern“, sagte die Sprecherin der Universitätsleitung in Bezug auf Lucke. Hochschulen berufen sich in solchen Fällen in der Regel auf die Wissenschaftsfreiheit, die im Grundgesetz steht. „Freiheit“ erleben Studierende und fortschrittliche Lehrkräfte täglich. Sie bedeutet die Freiheit der Stadt Hamburg, Universitätsgebäude an Tochterunternehmen mit privater Rechtsform zu verkaufen und somit die Zukunft der Uni Hamburg dem Markt zu überlassen. Sie bedeutet die Freiheit der Universität, „nicht profitable“ Professuren wie beispielsweise die Soziologieprofessur für qualitative Forschung, Gender-, Rassismus- und postkoloniale Studien einfach zu streichen (mehr dazu auf S. …). Sie bedeutet die Freiheit für den CDU-Senat, 2007 einfach so Studiengebühren in Höhe von 500€ einzuführen. Die Freiheit für Unternehmen der freien Wirtschaft, ganze Lehrstühle zu finanzieren, wenn sie Forschung in einem bestimmten Gebiet benötigen.
Für genau diese Art von Freiheit plädiert auch Bernd Lucke. Mit seinen neoliberalen Positionen unterscheidet sich der ehemalige CDUler, der die AfD aus seinen „wirtschaftswissenschaftlichen Überzeugungen“ heraus gründetete, also nicht von der etablierten Lehre, die die Privatisierung ganzer Bereiche der öffentlichen Daseinsfürsorge befürwortet. Das zu kritisieren sollte in den Fokus der Studierendenschaft rücken, denn unsere Lehrinhalte haben leider oft mehr mit Interessen der freien Wirtschaft und weniger mit unseren zu tun.

Artikel von Jara & Hanna / Aus der Lautschrift 10/2019 – Hochschulgeschehen

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